Warten auf das Christkind

© H. Lang

Hildegund Lang

Jetzt beginnt sie wieder, die Zeit des Wartens. Advent. Warten auf das Christkind. Zumindest viele Kinder warten darauf und können es kaum erwarten, bis es endlich soweit ist und die Türe zum Weihnachtszimmer aufgeht. Unendlich lange fühlt sich das für ein Kind an. Warten ist anstrengend. Unangenehm.  Braucht Geduld. Adventskalender sollen da helfen, diese Wartezeit zu verkürzen. Doch immerhin kann man beobachten, dass diese wartenden Kinder sehr fokussiert sind auf ihr Ziel. Es entwickelt sich Vorfreude auf Kommendes. “Das Warten auf etwas Schönes erzeugt positive Spannung und Gefühle“, so Lily Braun, 1865-1916. So soll es für Kinder im Advent sein. Wohl dem Kind, das noch warten darf, bis es an Weihnachten seine Geschenke auspackt, bis das “Christkind“ kommt.

Und die Erwachsenen? Wer wartet von ihnen im Advent schon auf das Christkind? Herrscht um sie herum und in ihnen selbst nicht außerordentliche Betriebsamkeit? Erst recht im Advent. Warten, ist das nicht eher vertane Zeit, als Vorfreude auf Kommendes? Die Wartezeiten auf ein Minimum zu reduzieren oder wenn möglich ganz abzuschaffen, wäre doch viel effizienter!? Warten assoziiert oft unangenehme Gefühle. Das kennt man doch: Steht man im Supermarkt vor der Kasse nicht immer in der falschen Schlange? Und das Warten im Wartezimmer des Arztes? Wie lästig! Amazon hilft da. Schneller geht die Erfüllung der Wünsche kaum- doch mit Amazon prime geht es noch schneller! Unbeliebt ist das Warten. Und doch ist es oft ausgesprochen wichtig. Denken wir an die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib. Das dauert neun Monate, bis ein ausgereiftes Kind geboren werden kann. Da gibt es keine Abkürzung. Oder beim Aussäen von Samen. Auch da heißt es erst mal abwarten. Manches braucht seine Zeit, muss reifen. Gerade im Warten geschieht sehr viel. Wesentliches. Auch im Wartenden selbst. Er wird verändert, weil sich seine Aufmerksamkeit auf etwas konzentriert. Weil er ganz auf „das Eine“ ausgerichtet ist. Er bereitet sich innerlich darauf vor. Es wird ihm wichtig, wertvoll, bedeutsam. Es kann etwas reifen, bekommt Tiefgang. Aber, warten auf das Christkind? Erwachsene? „ Das Christkind gibt es ja sowieso nicht“, so die Ansicht unseres Sohnes im Grundschulalter. Da hat er ja Recht! So wie sich das die Kinder in den kindlichen Träumen und Phantasien ausmalen, so gibt es das Christkind wirklich nicht. Und doch gibt es das Christkind wirklich! Vor ca. 2000 Jahren wurde es in Bethlehem geboren. Wurde Jesus geboren. Auf ihn warten, das heißt, Jesus in den Blick nehmen. Ihn wichtig nehmen. Ihm Bedeutung zumessen. „Sei stille dem Herrn und warte auf ihn!“ So steht es in der Bibel. Manchmal dürfen Erwachsene von Kindern lernen. Warten auf das Christkind- ist auch heute noch, das, was Advent eigentlich ausmacht. Nicht im Stress und aller Zerstreutheit Wesentliches verpassen. Sich ausrichten auf das, was an Weihnachten vor Jahren geschah und heute noch geschieht: das „Christkind“, wird geboren, um die Welt zu verändern. Die ganze Welt. Die ganz private Welt jedes einzelnen.  


Hildegund Lang
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde
Nürtingen