Herabst 2016. Kriegsspuren. Überall

Geistliches Wort zur ökumenischen Friedensdekade vom 06. -16. November 2016
Kriegerische Gewalt hinterlässt Spuren – an Gegenständen, an historischen Stätten an und in Menschen: Millionen von Gesichtern, Herzen und Seelen tragen die Spuren des Krieges an sich.
Winter 1942. Kriegsspuren. Überall.
Mitten im Krieg dichtet Schalom Ben-Chorin ein Lied der Hoffnung gegen alle Hoffnungslosigkeit. Es ist ein Protest gegen die allgegenwärtigen Kriegsspuren.
Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?
Dass das Leben nicht verging, soviel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering
in der trübsten Zeit.
Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht.
Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.
Es ist als ob die Welt untergeht. Tausende werden zerstampft. Menschen leiden im Großen wie im Kleinen: Andersdenkende werden verfolgt. Lebensgrundlagen werden zerstört. Freiheit wird beschnitten. Vielen bleibt nur noch die Flucht.
Aber kein Winter dauert ewig. Kälte und Hass haben nicht das letzte Wort. Gott gibt seine Welt nicht preis. Zarte Knospen werden aufgehen. Frieden wird erblühen. Der scheinbar abgestorbene Zweig wird wieder austreiben. In der trübsten Zeit protestiert das Leben gegen den Tod. Ganz zart nur und zerbrechlich ist der Anfang, wie bei einer Blütenknospe. Aber dieser Fingerzeig schenkt Hoffnung. Er lässt hinausschauen über die Kriegsspuren der Zeit.
Die Hoffnung auf die Liebe ist unzerstörbar. Sie bleibt – allem anderen zum Trotz!
Jerusalem, 587 v. Chr. Kriegsspuren. Überall.
Nach eineinhalb Jahren Belagerung, wurde die Stadt durch die Babylonier zerstört.  
Da geschah des Gottes Wort zu Jeremia: „Jeremia, was siehst du?“ Er sprach: „Ich sehe einen erwachenden Zweig.“ Und Gott sprach zu Jeremia: „Du hast recht gesehen; denn ich will wachen über meinem Wort, dass ich’s tue.“ (Jeremia 1,11)
Der erwachende Zweig ist ein Zeichen Gottes. Er ist ein kleiner Fingerzeig, dass Gott tut, was er sagt. Gegen alle Hoffnungslosigkeit gibt es die Hoffnung auf die Unzerstörbarkeit der Liebe.
Wer hofft, der sieht den Blütensieg des Lebens!

Im Evangelischen Gesangbuch finden Sie das Lied „Freunde, dass der Mandelzweig“ unter der Nummer 655.
Pfarrerin Anja Keller