„Ach, Putz-und Fegtag!“

© Ch. Walter-Bettinger

Pfarrerin Christine Walter-Bettinger

„Ach, Putz-und Fegtag!“, so kam es mir in einer katholischen Ecke der Pfalz entgegen, als das Gespräch auf den Buß-und Bettag kam. Ich kenne das schon aus der Heimat, dass der Feiertag der jeweils anderen Konfession bewusst als Arbeitstag genutzt wurde. Der Buß- und Bettag ist ursprünglich ein evangelischer Feiertag. Doch bereits schon aus der Antike sind feste gemeinsame Bußzeiten bekannt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg legte man für den Buß- und Bettag einen bestimmten Tag, den Mittwoch vor dem Totensonntag, fest und machte ihn zum arbeitsfreien, gesetzlichen Feiertag. Zuvor gab es in 28 deutschen Ländern insgesamt 47 Bußtage an 24 unterschiedlichen Tagen. Arbeitsfrei blieb der Buß-und Bettag nur bis 1995. Er fiel den erhöhten Beiträgen zur Pflegeversicherung als Ausgleich für die Arbeitgeber zum Opfer.
„Putz- und Fegtag!“, ist er also schon längst nicht mehr? Oder doch? Mein Gesprächspartner hatte nämlich unbeabsichtigter Weise etwas erfasst, das für unser Leben – und auch für unser Zusammenleben von zentraler Bedeutung ist. Denn was ist das Ziel eines „Putz- und Fegtages?“ Doch im Anschauen, Ordnen, Sortieren und Ausmisten das Haus wieder in einen solchen Zustand zu versetzen, dass ich mich darin wohl fühle und Gäste gerne willkommen heiße. Der Buß- und Bettag hat dieselbe Intention. Er ist ein Tag, an dem wir uns unserem „inneren Haus“ widmen können. Wie ist es um die einzelnen Lebensräume in unserem Lebenshaus bestellt? Sich einen Tag, eine Auszeit zu nehmen, um hier zu sichten statt immer nur unter den Teppich zu kehren; die Erfahrungen zu ordnen und zu sortieren, statt sie nur anzuhäufen; erkennen, was uns einengt, und dies bewusst in Gottes Hand zu legen, damit es wieder heller und lichter wird. Bin ich wieder gerne im eigenen Haus, dann öffne ich es auch leichter für Andere. Insofern tat dieser Tag auch Kirche und Gesellschaft seit jeher gut. Denn in den Blick, in die Hand und ins Gebet zu nehmen gibt es in Gesellschaft und Kirche zu jeder Zeit so einiges.
Ein Buß-und Bettag als Putz- und Fegtag, nicht nur einmal im Jahr, angeordnet im November - ich bin mir sicher das tut uns gut und das verändert vieles.

Christine Walter-Bettinger, Pfarrerin zur Dienstaushilfe beim Dekan