Bist du es?

© J. Hofmann

Pastor Jürgen Hofmann

Ich versuche immer noch zu verstehen, weshalb wir auf Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten zusteuern. Was hat die Amerikaner bewegt, diesen Populisten zu wählen? Es zeigt sich, wie viele Menschen sich in diesem Land von Wohlstand und Erfolg abgekoppelt fühlen. Sie sind enttäuscht und suchen nach einem, der das Ruder rumreißt, in dem sie noch eine Chance sehen, der sich um - ihre Sorte - Verlierer kümmert. Dieses Motiv beobachte ich zugleich in ganz vielen Regionen dieser Welt. Die vermeintlich Vergessenen stehen auf und unterstützen die Helden mit den einfachen Antworten.

An diesem dritten Advent beschäftigen sich die Predigten in vielen Kirchen mit Johannes dem Täufer. Er ist ein glühender Kämpfer für Gerechtigkeit, Treue zu Gottes Gebot und ein Vorbote des Messias, der das jüdische Volk wieder zu seinem Recht verhilft. Sein Kampf endet im Gefängnis. Dort hört er davon, dass Jesus von Nazareth Aufsehen erregt, von einer neuen Welt predigt, Kranke heilt und die Massen begeistert. Ist er der versprochene Retter Israels? Ist er die Lösung aller Probleme, der Heilsbringer, mit dem alles neu wird? Johannes schickt Boten und stellt Jesus eben diese Frage: Bist du es? Oder sollen wir weiter warten bis ein Anderer kommt?
 Jesus gibt ihm eine doppelte Antwort: Einerseits verweist er auf Zitate aus dem Propheten Jesaja und unterstreicht: Alles was dort vorhergesagt wird, geht mit mir in Erfüllung. Andrerseits ergänzt Jesus: "Freuen darf sich, wer nicht an mir irrewird!" (Matthäus 11,6; Gute Nachricht-Übertragung)
Bist du es? Die skeptische Frage des Johannes kann ich manchmal gut nachsprechen. Nicht dass ich daran zweifelte, dass mein Glaube einen unersetzbaren Schatz für mein persönliches Leben darstellt. Aber im Blick auf unsere Welt und die brennenden Fragen in unserer Gesellschaft frage ich manchmal schon: Was trägt das Vertrauen auf Jesus Christus aus? Kann der christliche Glaube tragfähige Antworten auf die Suchbewegungen meiner Zeitgenossen geben? Meine Einschätzung: Ja - aber keine einfachen. Glaube, wie ich ihn verstehe verändert meinen Blickwinkel auf die Welt. Er hilft mir, dankbar Menschen zu schätzen, auch die unbequemen. Seine Liebe beeinflusst die Werte, die mein Handeln bestimmen. Der Glaube löst oft nicht unsere Probleme vom Himmel herunter, aber er gibt mir das Werkzeug zur Hand es selbst zu anzugehen, mit Gott und mit anderen - und mit Ihnen? Ich wünsche Ihnen eine frohe, nach-denkliche Adventswoche.