November, die Tage werden immer dunkler

Ein Jahr neigt sich seinem Ende zu

© Moskaliuk

Pfarrer Arnold Moskaliuk

Im Festjahr der Kirche gehen wir auf den letzten Sonntag des Jahres zu, bevor mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr beginnt.
Diesen letzten Sonntag des Kirchenjahres nennen wir Totensonntag oder Ewigkeitssonntag.
In diesen Wochen wird der Verlust eines Menschen noch einmal deutlich spürbarer. Die Gräber auf den Friedhöfen werden spätestens jetzt für den Winter gerichtet.
Das Sterben von geliebten Menschen rückt uns wieder ins Bewusstsein.
Wir sagen Totensonntag und Gedenktag der Entschlafenen, und dabei stehen uns die Menschen noch einmal vor Augen, wir erinnern n uns an ihr Sterben und spüren noch einmal den Schmerz. In vielen Gottesdiensten werden die Namen der Verstorbenen noch einmal gelesen und für sie und die Angehörigen gebetet. Der Trauer und dem Schmerz wird noch einmal Raum gegeben. Trauer braucht ihren ganz eigenen und geschützten Raum.
Wir sagen aber auch Ewigkeitssonntag. Wir wollen im Licht der Ewigkeit an unsere Verstorbenen denken. In der Offenbarung des Johannes steht am Ende der Satz: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.“
Es kann ein tröstlicher Gedanke sein, dass für einen von uns gegangenen Menschen all das Leid und der Schmerz nun wirklich vorbei sind. Wir sehen nicht so sehr den Abschluss, das Ende eines Lebens. Sondern den Übergang. Das Neue, das aus dem herauswachsen kann was mit dem Tod zu Ende gegangen war. Eine Hoffnung die aus dem Evangelium entsteht.  Eine Hoffnung die nicht in unseren Wünschen, nicht in unseren Vorstellungen beheimatet ist.  Sie ist begründet im Handeln Gottes. Es wird uns zugesprochen. Verheißen. Versprochen.
Eine Hoffnung die uns über alles hinausdenken lässt was uns heute und jetzt beschwert.  
Auch im Blick in eine Welt, die es uns schwer macht daran zu glauben, dass es einen Gott gibt, der die Welt in seinen Händen hält. Und doch ist der Gedanke, dass unser Leben und die Welt gehalten und getragen ist, ein wohltuender Gedanke. Ich kann mich in ihm bergen.

Arnold Moskaliuk
Evangelischer Pfarrer in Großbettlingen