Die Hände im Advent in den Schoß legen?

Die christlichen Kirchen in Baden-Württemberg laden heute um 19.30 Uhr mit Glockengeläut zum Ökumenischen Hausgebet im Advent ein. Für viele Christen ist das Hausgebet zu einer wohltuenden Unterbrechung in der hektischen Vorweihnachtszeit geworden. Sie kommen in der Familie, unter Freunden und Bekannten, als Nachbarschaft und in Gruppen und Kreisen auch über Konfessionsgrenzen hinweg zusammen.
Eine Kerze, ein Bild, Lieder und Gebete laden zur Besinnung ein. Zwischen Arbeit und Weihnachtsmarkt, backen und Geschenke besorgen, schmücken und konsumieren soll das Hausgebet eine Zeit des Aufatmens sein: Alles mal aus der Hand legen und Gott für sich da sein lassen.
„Fürchte dich nicht“ ist das Motto der Handreichung in diesem Jahr, die in Kirchen ausliegt und auf Pfarrämtern kostenlos zu bekommen ist. Mehrmals wird dieser Satz in der Advents- und Weihnachtsgeschichte Menschen zugesprochen; zuerst dem Priester Zacharias im Tempel, als ihm der Engel des Herrn erschien, danach Maria durch den Engel Gabriel, dann Josef im Traum und schließlich den Hirten auf dem Feld.
„Fürchte dich nicht!“ Die Worte treffen mich heute, wenn ich durch Ereignisse in Aleppo und anderen Kriegs- und Krisengebieten unserer Welt aufgewühlt werde. Sie ermutigen mich trotz der Fernsehbilder von leidenden Menschen, die vor Bomben, Kälte und Hunger fliehen. Das Hausgebet im Advent wird für mich in diesem Jahr zur Friedensbitte für die Welt!  
Dass der Friede Christi an Weihnachten einkehrt, lässt sich nicht erzwingen, sondern will erbeten und erwartet werden. In der Kontemplation werde ich gewahr, Gott kommt. Und das heißt ja bekanntlich Advent, nämlich Ankunft.   
Ich wünsche Ihnen eine Adventszeit, in der Sie den Mut finden, etwas sein zu lassen, was Sie bisher unter Druck gesetzt hat.
Ich wünsche Ihnen eine Adventszeit, in der Sie sich selbst überraschen lassen, wie wohltuend Advent sein kann, vielleicht auch mit einem Hausgebet mit vertrauten Menschen.
Ich wünsche Ihnen eine Adventszeit, in der Sie Gott für sich da sein lassen.
Und ich wünsche uns den Frieden, der anderen die Hand zum Gruß reicht.


Pfarrer Joachim Schmid, Raidwangen