Wozu beten?

© J. Hofmann

Pastor Jürgen Hofmann

Protestantische Christinnen und Christen begehen zu Anfang des Jahres die sogenannte Allianzgebetswoche. Gerade für mich als methodistischen Geistlichen ist es bemerkenswert, dass diese Einrichtung der weltweiten Evangelischen Allianz wesentlich auch von meinem sehr geschätzter Kirchengründer John Wesley gefördert wurde. Damals bildete sich eine "Allianz" protestantischer Kirchen angesichts des Erstarkens der Katholischen Kirche in England um 1850. Heute dagegen stehen wir in der Ökumene Seite an Seite und widmen uns bewusst gemeinsam den gesellschaftlichen Herausforderungen. Daher finde ich es persönlich auch erstrebenswert, gerade bei so zentralen geistlichen Inhalten wie des gemeinsamen Gebets das Miteinander aller christlichen Kirchen zu suchen.
Denn allen Konfessionen ist das Gebet ein wichtiges Anliegen. "Wozu beten?" ist in der Tat ein wichtige Frage. Diese Formulierung ist nicht gleichbedeutend mit der Frage: Wofür beten? Da fällt uns viel ein: Die Gesundheit, die Kinder oder Eltern, die Klassenarbeit, das berufliche Projekt, der Weltfriede, gutes Wetter für die Skiausfahrt oder auch nur, dass der Anschlusszug noch nicht weg ist.  Ungleich schwerer zu beantworten ist die Frage nach dem Wozu. Was verspreche ich mir denn vom Beten?
Ich komme von Weihnachten. Ich habe Gottesdienste besucht, in denen von Liebe, Freude und Frieden die Rede war und davon, dass die Welt diese Segnungen nötig hat. Ich habe an Silvester vielleicht ein paar gute Vorsätze gefasst. Mit diesem Paket gehe ich nun in das neue Jahr, vielen guten Wünschen für die Menschen fern und nah und der Hoffnung, dass das auch alles Wirklichkeit wird. Voller Elan mache ich mich an die Umsetzung. Zweifellos gelingt das auch, partiell oder über eine gewisse Zeit hinweg. Wir alle tun das Unsrige, dass diese Welt besser wird. Manches bleibt aber auch ein frommer Wunsch und verliert sich an den Grenzen meiner Möglichkeiten und meiner Trägheit.  Das Gebet für mich und für andere gibt mir zusätzliche Kraft. Es unterstützt Andere in ihrem Kampf für das Gute. Es bittet Gott um seinen Beitrag, da und dort auch tatsächlich um ein Eingreifen von oben. Gibt es denke ich, auch wenn das Meiste durch uns geschieht. Ein ganz praktischer Tipp: Beten Sie mal für jemanden und versuchen ihr trotzdem böse zu sein. Klappt ganz schlecht. Sicher, manche sagen, wenn Sie sich mit leidenden Zeitgenossen verbunden fühlen: Ich denke an dich. Auch gut. Solche Menschen brauchen wir zu einem gelingenden 2017 ganz dringend in einer Allianz für das Gute: Betend, hoffend, handelnd. 

Pastor Jürgen Hofmann
Evang.-methodistische Kirche Nürtingen