Zum Buß- und Bettag

Pastor Johannes Hilliges

Wissen Sie, was ein „Holzweg“ ist? Das ist keineswegs ein Weg aus Holzbohlen; sondern schlicht eine Sackgasse, die Waldarbeiter in einem Wald anlegen, um das geerntete Holz auf ihm besser abtransportieren zu können. So ein Holzweg verbindet also nicht zwei Orte miteinander. „Auf dem Holzweg sein“ bedeutet, etwas zu tun oder vorzuhaben, was nicht „zielführend“ ist, wie man heute auf Neudeutsch sagt.

Jeder von uns ist schon mal auf Holzwegen unterwegs gewesen – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Es dauert meist eine Zeit, bis man sich den Irrtum eingesteht: „Das wäre doch gelacht, wenn es hier nicht irgendwie weitergehen würde!“ Doch selbst, wenn wir schon lange nicht mehr davon überzeugt sind, auf dem richtigen Weg zu sein, gibt es in uns manchmal Sätze, die ein Umkehren erschweren: „Wer A sagt, muss auch B sagen!“ oder „Was du eingebrockt hast, musst du auch auslöffeln“ oder „jetzt hast du’s angefangen – jetzt musst du es auch durchziehen!“

Der heutige Buß- und Bettag spricht von der wunderbaren Möglichkeit, umkehren zu können. „Buße“ hat im Sprachgebrauch der Bibel weniger mit „Strafe“ zutun, als vielmehr mit der einmalige Chance, stehen bleiben und sich zu besinnen zu können; sich neu entscheiden und eine neue Richtung einschlagen zu können. Diese wunderbare Chance räumt uns Gott ein, den wir als Christen als „unser Vater im Himmel“ bezeichnen und ansprechen. Jesus beschreibt das in einer Geschichte (Lukasevangelium 15, 11-32) über die Väterlichkeit Gottes so: Ein junger Mann sagt sich von seinem Vater los, bricht von Zuhause auf und gerät auf Abwege – eben auf einen Holzweg. Am Ende der Sackgasse angekommen, „geht er in sich“: Er hält inne und macht nicht einfach immer weiter so. Er gesteht sich seine aussichtslose Lage ein – und fasst dann einen wunderbaren Entschluss: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen!“

Der Buß- und Bettag erinnert uns daran, dass Gott uns frei macht: „Du bist frei, innezuhalten und stehenzubleiben. Du bist nicht dazu verdonnert, den Irrweg bis zur bitteren Neige gehen zu müssen. Habe den Mut, dich deiner Situation ehrlich zu stellen und dir einzugestehen, auf dem Holzweg zu sein. Du darfst neu entscheiden und umkehren.“ Umkehren, also Buße tun zu dürfen, und einen neuen Anfang machen zu können – das ist eine Gnade, wir es im christlichen Sprachjargon heißt: ein Gottesgeschenk. Der Buß- und Bettag lädt uns ein, unseren Lebensweg neu auf Gott hin auszurichten, und den Weg zu unserem Vater im Himmel unter die Füße zu nehmen. Denn dort gehören wir eigentlich hin.
In diesem Sinne wünsche ich ihnen einen fröhlichen und hoffnungsvollen Buß- und Bettag 2017!

Pastor Johannes Hilliges
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde