Satz des Jesaja

© Ernst Hermann

a² + b² = c², Satz des Pythagoras. 2500 Jahre alt. Grundwahrheit der Geometrie. Ewig gültig. Alle Kinder müssen ihn lernen in der Schule.

Fast gleich alt wie der Satz des Pythagoras ist der Satz des Jesaja. 2600 Jahre alt. Grundwahrheit des Lebens. Steht leider nicht im Lehrplan, wird dauernd vergessen und verneint, und ist doch ewig gültig: Mitfühlen + Helfen = Genesung

Unsere Kirche erinnert an diesen Satz des Jesaja mit dem Predigttext für das Erntedankfest 2017. Mitfühlen + Helfen = Genesung.

Der Prophet Jesaja lebt in einer Gesellschaft, die sich selber ruiniert hat, weil jeder nur noch sich und seinen Vorteil sieht. Das geht lange gut. Es ist ein schleichender Prozess, bis die ersten spüren: Irgendetwas stimmt nicht mit uns. Wir bemühen uns so sehr, aber es bleibt alles irgendwie hohl. Da ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Und wie auf einer schiefen Ebene kommt es auf einmal immer mehr ins Rutschen. Wir können es nicht mehr aufhalten. Aber was ist es denn, dieses Etwas?

Das Volk ist krank! Das ist die Diagnose des Jesaja. Der Egoismus hat das Volk ruiniert, und nun frisst er seine Kinder. Alle leiden. Alle werden krank. Und Jesaja bringt die Arznei auf die ewig gültige Formel: Mitfühlen + Helfen = Genesung.

Am besten gleich der Bibeltext direkt: Jesaja 58

„Macht jeder Unterdrückung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen, helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen! Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell. Eure Depression wird verschwinden. Ihr werdet wie ein Garten sein, der immer genug Wasser hat, und wie eine Quelle, die niemals versiegt. Man wird euch das Volk nennen, das die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen kann.“

Grundwahrheit des Lebens. Zeitlos gültig. Wo Menschen füreinander Lücken zumauern und Wege ausbessern, dort kann man gut wohnen. Unser Erntedankfest soll uns an diese Grundwahrheit erinnern.

Ich danke für alles, von der Gesundheit über gute Freunde bis zum Salat im Garten. Manche danken sich selber, dass sie alles so toll hingekriegt haben. Andere danken der Natur. Wir danken unserem Schöpfer. Er hat uns beschenkt. Und darum kann ich meiner Seele auch mal wieder was Gutes tun und weiterschenken, zum Beispiel an den Tafelladen in Nürtingen, damit er wieder ein paar Lücken zumauern und ein paar Löcher stopfen kann.