Geistliches Wort zum Epiphaniasfest

Es ist Sonntag und die Gemeinde hat sich zum Gottesdienst versammelt. Während der Predigt stockt der Pfarrer plötzlich, sein Blick geht nach oben. Nach einem ziemlich langen Augenblick setzt er jedoch seine Predigt fort und der Gottesdienst nimmt seinen gewohnten Gang. Nach dem Segen kommt Gemurmel auf. Was hatte denn der Pfarrer nur? Es kommt das Gerücht auf, er habe eine Erscheinung gehabt, gar einen Engel gesehen - das komme ja in der Weihnachtszeit schon mal vor. Am Ausgang  fasst sich eine ältere Dame ein Herz: „Herr Pfarrer, das freut mich aber, dass Sie heute in unserer Kirche eine Erscheinung hatten!“ Und mit beschwörendem Unterton: „Was haben Sie denn gesehen? Einen Engel?“ „Ach, wissen Sie“, antwortete der Pfarrer, „ich hatte in der Tat eine Erscheinung. Eine Alterserscheinung. Ich hatte für einen Moment den Faden verloren.“
Morgen feiern wir Christen das Erscheinungsfest, auch Epiphanias genannt. Wie der Morgenstern zu bestimmter Stunde am nächtlichen Himmel erscheint, so feiern wir  die Erscheinung von Jesus Christus als dem hellen Morgenstern. Wie im Sonnenaufgang die Sonne erscheint und alles mit ihrem Licht und ihrer Wärme durchdringt, so feiern wir„ dass mit der Geburt von Jesus Christus Gott selbst auf Erden und unter uns Menschen erscheint und nichts bleiben muss, wie es ist. Aber hatten wir das nicht schon zu Weihnachten? Richtig. Es ist auch dasselbe Fest und sogar dasselbe Datum: Wir hier im Westen feiern den 25. Dezember nach dem gregorianischen Kalender und unsere Mitchristen der orthodoxen Ostkirchen das gleiche Fest nach dem älteren julianischen Kalender. Doch wenn sie feiern, sind wir schon 12 Tage weiter…
Feiern wir also noch einmal Gottes Erscheinen unter uns. Und das tun wir am besten, indem wir uns nicht einfach nur an die Geburt von Jesus vor 2000 Jahren erinnern, sondern erwartungsvoll Ausschau halten, wo Jesus Christus uns denn heute erscheint. Das wird zuerst immer eine innere Erfahrung sein, in der uns buchstäblich „ ein Licht aufgeht“ und uns ganz neu „einleuchtet“, dass Er es ist, der das Dunkel unserer Nacht zu vertreiben und uns aus tausend Finsternissen zu erlösen vermag. Vertrauen wir uns also Jesus Christus an. Er wird uns gewiss erscheinen – und das wird keine Alterserscheinung sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erwartungsvolles Erscheinungsfest!

Pastor Johannes Hilliges
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde