Geistliches Wort zum Ewigkeitssonntag 2017

Viele Menschen lesen in der Tageszeitung immer die Todesanzeigen. Man schaut nach dem Alter. War das etwa mein Jahrgang? Kenne ich jemanden?   
„In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied“ oder „Sie war der Mittelpunkt unserer Familie“ oder „Wir werden ihn unendlich vermissen“, „Wir sind sehr traurig“ steht da oft. Über Tote schreibt man freundliche Worte.                                                                                                                                      Nie steht da: „Das Leben mit ihm war schwierig und mühsam“ oder „Sie hat es uns nicht leicht gemacht“.
Warum ist das so? Weil es pietätlos wäre? Über Tote redet man nicht schlecht? Oder ist mit dem Tod alles vergeben und vergessen, was schwierig war? Jeder Streit? Jeder Ärger? Jede Verletzung?
Wohl nicht. Wäre wohl gut, sich so manches einmal von der Seele zu reden. Was nicht vergessen ist, was schmerzt, immer noch. Gut und wichtig und heilsam, auch solche Erinnerungen nicht zu verdrängen und die Augen zu verschließen, vor dem, was schwer war, was Bruchstück bleibt in unseren Händen und unversöhnt und offen.
Kein Leben ist ohne die Spur von Schuld, ohne die Versäumnisse der Liebe, oft ohne es zu wissen und zu wollen. Kein Leben ist ohne Schatten. Wir Mensch sind auf Vergebung angewiesen. Darauf, dass wir einander vergeben. Und darauf, dass Gott uns vergibt.
Unser christlicher Glaube vertraut Gott. Wir vertrauen, dass wir  im Sterben und im Tod  in seiner Liebe geborgen sind. Gott hat sich an Ostern zu seiner Liebe bekannt und Jesus Christus von den Toten auferweckt. Seine Liebe endet nicht, wo unser gemeinsames menschliches Leben endet. Gott hat die Macht des Todes, die uns so erschreckt, durchbrochen, ein für allemal.

Am Sonntag ist Ewigkeitssonntag. Wir erinnern uns an gemeinsames Leben. Was schwer war. Wofür wir dankbar sind. Was wir versäumt haben. Wo wir Liebe schuldig geblieben sind. Was wir vergeben wollen. Mit unserer Trauer und unserem Dank vertrauen wir uns Gott an. Und wir hoffen auf neues Leben durch Jesus Christus – für uns und unsere Verstorbenen.

Pfarrerin Ute Werkmann-Eberhardt, Wolfschlugen