Aus vier mach eins

Wann eine neue Bundesregierung arbeitsfähig zusammenkommt, steht in den Sternen. Seit der Bundestagswahl ringen 4 Parteien um die Regierungsbildung. Unterschiedlicher könnten in einzelnen Politikfeldern und gesellschaftlichen Fragen die Ausgangsauffassungen der verschieden gefärbten Parteien nicht sein. Wie gelingt ein Zusammenkommen?

Vor 500 Jahren haben wichtige Reformvorhaben an einer in die Jahre und in Missstände gekommenen Kirche zur Trennung geführt. Beabsichtigt war, in Schieflage Geratenes neu auszurichten orientiert am Evangelium, an der Grundlage allen Christseins. Was beabsichtigt war, ist nicht gelungen. Spaltung war das Ergebnis. Das Erinnerungsjahr, das Reformationsgedenkjahr ist abgeschlossen. Sind die christlichen Kirchen sich nähergekommen?

Um einen gangbaren, gemeinsamen Weg für die Zukunft Deutschlands und Europas in der einen Welt geht es in den Koalitionsverhandlungen, um ein gemeinsames Wirken zum Wohl der Menschen in der ganzen Welt geht es den verschiedenen Christlichen Kirchen. Grundgesetz und Allgemeine Menschenrechte sind Maßstab in der Politik, das Evangelium ist Maßstab für christliches Handeln. Ein gemeinsames Ziel zu erreichen, erfordert Kenntnis voneinander, Vertrauen zueinander, eine gemeinsame Sprache, den Blick nach vorne. Das wird nicht von alleine, da gehört auch kritische Distanz zur eigenen Geschichte, zu Liebgewordenem, da gehört Veränderung, Wandlung dazu.

Auf seinem letzten Weg bittet Jesus: „Alle sollen eins sein.“ Er betet, um die Einheit aller bittet er. Er kennt die Menschen in all ihrer Verschiedenheit, er bittet nicht um Einheitlichkeit, um Gleichschaltung. Er bittet darum, dass zusammenkommt, was noch getrennt ist. Um der Menschen willen bittet er um diese Einheit.

Um der Menschen willen, sind die Abgeordneten gewählt, um der Menschen willen sind die Kirchen unterwegs. Das Wohl der Einzelnen und das Wohl aller sind Auftrag. Da ist es notwendig, sich und seinen begründeten Auffassungen, seinem Auftrag treu zu bleiben. Da ist es gleichfalls notwendig, in aller Unterschiedlichkeit das Gemeinsame zu suchen, Kompromisse einzugehen, freiwillige Übereinkünfte zu schaffen.

So werden auch in Zukunft Politik und Kirchen zu einer lebenswerten Welt und zur Zukunft der Menschen beitragen.

Paul Magino, Dekan