Die christliche Demo

Gäbe es dieses Fest nicht, müsste es sofort eingeführt werden. Dieses Fest mit langer Tradition wurde von Papst Urban 1246 ins Leben gerufen und geht auf die Vision der Mystikerin Juliana von Lüttich zurück. Es ging ihr um die besondere Verehrung des Eucharistischen Brotes. Durch die Verehrung und Anbetung, auch Allerheiligstes genannt, schöpfte sie Kraft für die Aufgaben des Alltags. Der Legende nach erkannte sie im Mond, der Christus darstellte, einen runden „Fleck“(das Brot Christie). Sie meinte im Jahreskreislauf fehle solch ein Festtag mit Außenwirkung und von da an gab es das Fest Fronleichnam.
Es soll deutlich werden, dass die Feier der Eucharistie und somit die Begegnung des auferstandenen Herrn mithinein genommen werden will in den Alltag. Glauben und Leben gehören zusammen. Sie sind nicht voneinander zu trennen. Sie ergänzen sich und stehen im Bezug zu einander. Wenn wir als Christen gestärkt mit dem eucharistischen Brot durch die Straßen ziehen, dann hat dies Konsequenzen.
Gebt ihr ihnen zu essen, schickt sie nicht weg, sagt Jesus zu seinen Jüngern im Markusevangelium. Gebt dem Menschen von dem, was ihr habt.
Und er fängt selbst damit an. Er teilt mit denen, die hungern, sein Brot. Hunger ist hier ein Bild für verschiedene Situationen, in denen Menschen leiden: Menschen verlieren ihre Arbeit und damit ihre Lebensgrundlage. Menschen sind behindert und werden an den Rand gestellt wie Aussätzige. Menschen haben sich an den Finanzen anderer vergriffen und stehen plötzlich isoliert da wie der Zöllner Zachäus. Jesus teilt mit allen das Brot. Jesus fordert seine Freunde, uns alle auf: Teilt ein Stück Brot, teilt ein Stück Leben miteinander.
Gestärkt mit dem Brot des Lebens werden auch wir, die wir in der Nachfolge Jesu stehen, beauftragt: Gebt ihr ihnen zu Essen!

  • Es braucht Menschen, die auf die Straßen gehen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Gott lebt und sie mit ihm leben!
  • Es braucht Menschen, die auf die Straße gehen, um den Menschen, die auf der Suche sind, entgegenzulaufen und Wegweiser zu sein!
  • Es braucht Menschen, die auf die Straße gehen und anderen zu Essen geben, weil sie hungern und dürsten nach Gerechtigkeit und Solidarität!
  • Es braucht Menschen, die aus dem Glauben heraus Mut und Kraft schöpfen, für die Demokratie einzutreten und sie mitgestalten!

Sicherlich keine leichte Aufgabe. Mit der folgenden Geschichte möchte ich Sie dazu ermutigen. Eine alte Frau wurde einmal gefragt: „Warum läufst du hinter diesem goldenen Gefäß mit dem kleinen Scheibchen Brot her? Sie gab zur Antwort: Ich habe zwar eine gute Rente, ich kann mir alles kaufen und ich kann ins Café gehen. Aber das will ich dir sagen: Ich habe noch nichts gefunden, was mich wirklich satt und zufrieden macht. Wenn mir dieses Stücken Brot in die Hand gelegt wird, dann spüre ich, auch wenn mich viele zum alten Eisen rechnen, meinem Gott bin ich trotzdem viel Wert. Ja hinter diesem Brot steckt sehr, sehr viel Hoffnung, meine letzte Hoffnung. Wenn auch viele lieber mit jungen hübschen Leuten reden, mein Gott schaut nicht auf die Runzeln.

Peter Maile, Kath. Diakon und Betriebsseelsorger Projekt S21