Geistliches Wort zu Himmelfahrt

Selbständig im Glauben und Handeln

Haben Sie auch Ihre Schwierigkeiten die Bedeutung von Himmelfahrt zu verstehen? So richtig begreifen kann ich das ja nicht, wie das damals gewesen sein soll. Weihnachten oder Ostern, sind einfacher. Allein die Vorstellung, dass ein Mensch, und als solcher ist Jesus damals aufgetreten, mitten aus einer Gruppe anderer Menschen heraus, auf einmal Richtung Himmel verschwindet, ist uns in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit, fremd. Vielleicht sogar ein bisschen suspekt. Und dann verspricht er trotzdem auch weiterhin bei uns zu sein. Das kann ich mir noch eher vorstellen, weiß ich doch, dass z.B. Wasser noch in der Atmosphäre ist, wenn es bereits verdampft ist und ich es nicht mehr sehe. Auch im menschlichen Bereich kennen wir es, dass wir Menschen verlieren – sei es durch Tod oder auch nur räumlich durch Wegzug – und trotzdem fühlen wir uns innerlich noch mit ihnen verbunden, haben immer wieder das Gefühl, sie bei uns zu haben. Den Spruch: „Wer im Herzen seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, nur fern.“, finde ich in diesem Zusammenhang sehr treffend.
Genauso stelle ich mir das mit Jesus vor. Einige Zeit war er auf Erden unterwegs, ist vielen Menschen begegnet. In dieser Zeit hat er viel in ihnen bewegt. Ein neues Denken hat er ihnen gebracht, neue Umgangsformen miteinander, die geltenden Regeln aktualisiert und menschlich gemacht. Er hat gezeigt, was es heißt in Liebe miteinander umzugehen. Höhepunkt waren dann sein Tod und die folgende Auferstehung. Damit war klar, mit dem Tod ist nicht alles aus. Und dann war seine Zeit auf Erden doch um.
Schade eigentlich! Wäre das Leben nicht viel einfacher und seine Botschaft viel glaubwürdiger gewesen, wenn er nach seiner Auferstehung einfach weiter gemacht hätte wie vorher und so den Menschen ganz unmittelbar zur Verfügung gestanden wäre und ihnen hätte direkt helfen können?
Ich muss in diesem Zusammenhang immer an Eltern und ihre Kinder denken. Kinder werden irgendwann erwachsen und Eltern müssen sie loslassen – im übertragenen Sinn. Die Kinder übernehmen die Verantwortung für ihr Leben selbst und das, was sie in der Zeit ihres Aufwachsens von den Eltern erfahren haben, geht in ihr weiteres Leben ein. Aber sie sind selbst verantwortlich für das, was sie daraus machen.
An Himmelfahrt hat Jesus die Menschen in die Selbständigkeit ihres Glaubens entlassen. Sie hatten so viel mit ihm erlebt, er hatte ihnen so oft vor Augen geführt wie sie ihr Leben in Liebe gestalten und in seiner Lehre die Welt verändern können. Nun war es an ihnen ihre Welt eigenverantwortlich zu gestalten. Er hat ihnen den Auftrag dazu erteilt und ihnen versichert, dass er sie dabei nicht allein lassen wird – aber eben anders als bisher.
Das gilt bis heute und betrifft auch uns ganz direkt. Wir sind es, die als selbständige Menschen, erwachsen im Glauben unser Leben und diese Welt gestalten sollen. Dabei können wir uns an den Erzählungen der Bibel über Jesus orientieren und in manchen Situationen hilft vielleicht die Frage weiter: „Was würde Jesus tun?“ Und so ist er bis heute bei uns – in unseren Herzen und in unserem Leben.

Christine Flick, Wendlingen
Evangelisch-methodistische Kirche