Konfirmationsvorbereitung zwischen Himmel und Hölle

© Sylvia Unzeitig

Pfarrerin Sylvia Unzeitig

Jetzt geht der Reigen der Konfirmationen wieder los. In den Familien, in denen eine Tochter oder ein Sohn demnächst konfirmiert wird, ist jetzt die Hölle los. So vieles ist zu organisieren: Kleidung, Essen, Übernachtungen für die Gäste, Blumenschmuck und Deko. Alles soll perfekt sein, wenn das große Fest da ist. Und dann läuft es meistens doch ganz anders als es gedacht war. Das schöne Kleid der Konfirmandin passt nicht mehr richtig, das teure Hemd des Sohnes bekommt Soßenflecken und beim Kaffee kriegen sich Onkel Rudi und der Werner in die Haare.
Es geht immer etwas schief. Eigentlich kann man schon damit rechnen und es dann dementsprechend gelassen hinnehmen. Was geschieht denn – abgesehen von den äußeren Umständen - tatsächlich bei einer Konfirmation?
Die Eltern nehmen wahr, dass ihr Kind ihnen langsam entgleitet, dass es immer mehr für sich selbst entscheiden kann und will. Sie müssen lernen loszulassen und ihre Ängste zu bewältigen. Und doch weiterhin zur Seite stehen und ein unsichtbares Geländer bieten.
Solch ein Geländer bietet auch der Glaube an Gott. In der heutigen Zeit wird es immer schwieriger sich zu orientieren. Was ist denn „gute Politik“, was tut einer Gesellschaft oder Gemeinschaft gut? Wie lebe ich meine Beziehungen? Wie gehe ich mit Schuld und Versagen um? Wer aufmerksam in der Bibel liest und sich mit anderen Christen darüber austauscht, wird behutsame Antworten für seine Lebensfragen finden. Dies will auch der einjährige Konfirmandenunterricht mit seinen zahlreichen Aktionen und Angeboten und der Konfirmationsgottesdienst selbst: Anknüpfungspunkte für die Beziehung zu Gott sein. Denn nur, wer sich auf diese einmalige Beziehung einlässt, wird auch Erfahrungen damit machen.
Das lateinische confirmare heißt „bestärken“. Mit dem Einzelsegen bei der Konfirmation wird verstärkt, was schon da ist an Erfahrung in jedem Menschen. Jugendliche brauchen Mut für ihren Lebensweg und die Entscheidungen, die damit verbunden sind – und ihre Eltern brauchen Gelassenheit und Vertrauen, dass ein Höherer über das Kind wacht. Wenn dieses Gottvertrauen geschenkt wird, ist nicht mehr die „Hölle los“, sondern der Himmel da!

Pfarrerin Sylvia Unzeitig, Oberensingen-Hardt