Männerurlaub im Faltboot und unverdiente Gnade

© Paul-Bernhard Elwert

Wir mussten früh raus, schnell das Zelt einpacken, alles in wasserdichte Säcke verpacken und das alte, grau-blaue Pionier-Faltboot wieder vorsichtig ins Wasser schieben. Ich spüre die Schwielen von gestern, als ich das hölzerne Doppelpaddel fest umgreife und etwas müde aber entschlossen ins Wasser tauche. Zug um Zug. Wir sitzen schweigend hintereinander in dem fast hundert Jahre alten Kajak vom Großvater meines Freunds. Hin und wieder reden wir über einen Gedanken, eine Erinnerung, dann wieder Schweigen und Paddeln. Bei sich sein und zusammen unterwegs, frei sein. Gegen Mittag lassen wir das Boot in der leichten Strömung treiben und kramen in den Säcken nach ein paar Chips, Schokolade und Wasser. Da nähert sich uns ein kleines Motorboot. „Grüezi, Wasserpolizei – zeigen sie uns ihre Rettungswesten, bitte!?“ „Hallo. Ähm - Schwimmwesten? Auf so einem ruhigen Fluss? Das haben wir keine dabei, wir können gut schwimmen…“ „Dann müssen sie hier auswassern! Es gibt nun eine Schwimmhilfen-Pflicht für Sportboote. Die Strafe ist hoch – war ihnen das nicht bewusst?“ Womit hatten wir das verdient? Wer kennt schon alle Bestimmungen für alle Flussabschnitte diesseits und jenseits der Grenze? Aber Unwissenheit schützt nicht vor Strafe, er war im Recht, verdient hätten wir die Strafe und ihre Folgen.

Der Männer-Paddel-Urlaub hätte hier eine hässliche Wendung nehmen können. Das Budget nach der Hälfte der Urlaubszeit weg, die Stimmung mies („Wer meinte noch: die brauchen wir nicht?!“), noch dazu wären wir mit Boot und Gepäck zwischen den Ortschaften gestrandet gewesen.

Dann aber ist das Motorboot wieder weg und wir schauen uns an. Etwas ungläubig noch. Ob es am humorvollen Gespräch lag oder an den wirren Flussabschnittsrechtslagen, an unserem etwas vagabundischen Anschein oder an Gottes gütigem Blick: „Gnade!... Womit habe ich das verdient?“ – das Motto des diesjährigen Männersonntags hätte in dieser Situation auch gut gepasst.  Dem freundlich-bestimmten Beamten mussten wir versprechen, das Strafgeld in den Kauf von zwei Rettungswesten im nächsten Ort zu investieren – Rettung statt Strafe! Wir durften weiter! Natürlich haben wir unser Wort gehalten, zu dankbar waren wir über den Ausweg. Rettung statt Strafe – Unverdiente Gnade: da ist Freiheit und das Gefühl, beschenkt zu sein.

“Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ Eph 2,8f.

Paul-Bernhard Elwert, Vikar in Oberboihingen