Geistliches Wort zu Ostern

© Dorothee Moser

aufgekreuzt

An Ostern ist Jesus aufgekreuzt. So hat ein Schüler die Ostergeschichte zusammengefasst. Kann man das so sagen? Darf man so reden? Zuerst habe ich gezögert. Die saloppe Jugendsprache hat mich irritiert. Aber dann habe ich gespürt, wie dieser Satz das Geschehen von Ostern klug auf den Punkt bringt. In dem Wort „aufgekreuzt“ verbinden sich Auferstehung und Kreuz.
Wenn jemand aufkreuzt dann ist das meist eine Überraschung. Auch die Bibel erzählt wie Maria Magdalena am Ostermorgen eine solche Überraschung erlebt. Sie kommt zum Grab, weil sie Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Doch das Grab ist leer. Der Auferstandene überrascht sie und fragt „Wen suchst Du?“. Er fragt nach ihrer Hoffnung, nach ihrem innersten Wunsch. Durch diese Frage spürt sie, dass sie ganz viel Hoffnung in sich trägt, obwohl sie dafür erst noch Worte finden muss. Vielleicht heißen sie Liebe, Gerechtigkeit, Friede, Gemeinschaft, Angenommen sein. Maria Magdalena wird vom Auferstandenen aus ihrer Trauer gerufen. Ihre Ohnmacht verwandelt sich Kraft. Ihre Ratlosigkeit bekommt Orientierung. Sie geht vom leeren Grab mit einem Hoffnungsblick.
Aufgekreuzt. Mir gefällt das Wortspiel. Der Auferstandene durchkreuzt, was für Menschen aussichtslos scheint. Tod bleibt nicht tot.
„…am dritten Tage auferstanden von den Toten“ heißt es im christlichen Glaubensbekenntnis. Wenn ich diese Worte spreche, dann bricht sich in mir der Glaube Bahn, dass neues Lebens nicht nur Wunsch ist, sondern Wirklichkeit. Er verwandelt mein Dasein heute schon in befreites Leben.
Auferstehen und aufstehen. Das Neue Testament benutzt dafür dasselbe Wort. Gotteshandeln und der Alltag gehören zusammen. Aufstehen und mich dem Leben in die Arme werfen – nicht erst am jüngsten Tag, das ist für mich Ostern. Meine Talente leben, Grenzen überschreiten ins Unbekannte hinein, mich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Die Schönheit des Lebens genießen, mir für Beziehungen Zeit nehmen, der Liebe Raum geben, Versöhnung leben. Uns erwartet das Leben jetzt, heute, an diesem Tag, in diesem Augenblick. Deshalb ist das Osterfest auch eine Einladung, Auferstehung im eigenen Leben zu entdecken und zu feiern.  An Ostern kreuzt Jesus auf und eröffnet neue Wege.

Schuldekanin Dorothee Moser