500 Jahre Reformation „… da ist Freiheit“

© Holzwarth

Reformationstag 2017 ist Feiertag.
Viele haben morgen die Freiheit, nicht arbeiten zu müssen. Sie können mit den Kindern Drachen fliegen, eine Herbstwanderung durch bunte Laubwälder unternehmen, ausschlafen, chillen, ein gutes Buch lesen. Sie können auch im evangelischen Gottesdienst 500 Jahre Reformation mit feiern. Sie können der evangelischen Kirche zum Geburtstag gratulieren. 
Morgen jährt sich nämlich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug.
Sie haben die Freiheit.
Wir leben in einem freien Land, in dem die Ausübung unserer Religion erlaubt und möglich ist – und das nicht nur in unseren Kirchen, sondern auf öffentlichen Plätzen, wie bei der ChurchNight auf dem Schillerplatz in Nürtingen. Diese Freiheit verbürgt das Grundgesetz. Sie ist auch der Reformation entwachsen. Von ihren Ideen beeinflusst haben sich viele Menschen Gedanken über Freiheit gemacht. Meint sie das Fehlen jeglicher Grenzen? Betont sie die Selbstverwirklichung? Sind damit billionenfache Entscheidungsmöglichkeiten gemeint? Freiheit ist eher ein Garten, über dem sich ein großer Himmel wölbt. Mit Wegen. Mit Aussichten. Nahrung für Leib und Seele. Mit einer Quelle in der Mitte. In ihr spiegelt sich das Licht des Himmels. Dieser Garten gehört nicht einer Person allein. Viele teilen ihn. Menschen setzen sich voll Vertrauen in die Mitte des Gartens, genießen und lauschen. Sie lassen sich ein auf die Freiheit, die Verantwortung für den Nächsten bedeutet. Sie freuen sich an der unumstößlichen Freiheit des Glaubens, die keine Angst vor nichts und niemandem haben muss. Sie sind befreit von den Sorgen, die den Blick darauf richten, was fehlt.
Gottes Geist ermöglicht die Freiheit. Er ist kein Geist der Verzagtheit, sondern ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (nach 2. Brief des Timotheus Kapitel 2 Vers 17).  Reformationstag ist Feiertag. Alle Kulturen und Völker feiern regelmäßig bestimmte Ereignisse von gesellschaftlichem oder religiösem Rang. Die evangelische Kirche und mit ihr ganz Deutschland feiert morgen die Freiheit und ein wenig natürlich auch sich selbst. Sei’s drum. Evangelisch sein macht Freude. Auf jeden Fall am Reformationstag 2017.
Michael Waldmann, Dekan in Nürtingen