Neu starten und reifen

© Biste-Wessel

Rita Biste-Wessel

Mit dem September verbinden wir bei uns Reifezeit, nahendes Ende des Sommers, Schulbeginn,...Neustart und Veränderung.
Eine Überschrift in der Zeitung „Immer mehr Menschen haben zwei Jobs“ bringt mich zum Nachdenken. Zum nahenden Ende der Ferien heißt das auch bei den Eltern,  Familie und Beruf zu vereinbaren, bei den Kindern Schule und Freizeit. Die Zeit der Ruhe, des Ausspannens, der Gelassenheit und einfach den Sommer genießen weicht neuen Herausforderungen wie Neubeginn und Wiedereinstieg. Gesunder Schulstart heißt auf Seiten der Eltern, den Spagat vollbringen zwischen Familie und Beruf, vollwertigen Pausenbroten und guten Getränken, ausreichendem Schlaf, Regeln und Ritualen, Bewegung als Ausgleich, richtig gepackten Schulranzen, Zeitmanagement vor und nach der Schule. Auf der anderen Seite sind es Themen wie neue Methoden, Lehrermangel, Schulstundenabbau, Qualität des Unterrichts, Elternabende, schwierigere Schüler, die angegangen werden müssen.
Einige Gedanken des Religionsphilosophen Martin Buber (aus M. Buber, Wie kann Gemeinschaft werden)  können uns auch jetzt noch ermutigen zur Gelassenheit:
„Wenn ein Mensch rechtschaffen auf Erden lebt und ein rechtschaffenes Lebenswerk sich vornimmt, wenn er in der Situation, in die er gestellt ist, denen gegenüber, mit denen ihn das Leben zusammenführt, sich bewährt, also ein rechtes Menschenleben führt, dann wird, auch wenn er das Wort Persönlichkeit nicht kennt, schon aus ihm etwas wie eine Persönlichkeit werden.“  
Ich glaube, hiermit  ist nicht Leistung, sondern Vertrauen gemeint; wir können darauf vertrauen, dass auch mit diesen Herausforderungen alles gut wird, wenn wir das tun, was wir können, ohne uns und die Kinder zu überfordern.
„In seinem Sein bestätigt will der Mensch durch den Menschen werden und will im Sein des andern eine Gegenwart haben. Die menschliche Person  bedarf der Bestätigung, weil der Mensch als Mensch ihrer bedarf.“ (M.Buber)  Wir alle möchten geliebt und bestätigt sein und in unserem Tun ermutigt werden.  
Zu Beginn sind wir noch voll guter Vorsätze. Ein neues Schul-/Arbeitsjahr liegt offen vor uns. Jeder und jede will das Beste daraus machen. Manches wird uns gelingen – und manches nicht. Siege und Niederlagen, Freude und Leid werden nahe beieinander liegen. Manchmal wird der Weg leichter sein und manchmal schwerer. Die Lieblingssüßigkeiten in der Schultüte sind wichtig, aber auch der ermutigende kleine Zettel, der darin liegt, z.B.: „Ich wünsche dir alles Gute, nette Freunde und mach einfach weiter, wenn dir mal ein Punkt verrutscht….übrigens deine selbstgebastelte Schultüte ist sehr schön!  Wir haben dich lieb.“
Und…wir müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Vielleicht könnte auch hier ein weiterer Satz des Philosophen weiterhelfen und unser Zusammenleben und die Anstrengungen besser gelingen lassen: „Gott redet zum Menschen in den Wesen und Dingen, die er ihm ins Leben schickt“. Ich wünsche Ihnen einen hoffnungsvollen Start und viel Ermutigendes.

Rita Biste-Wessel, Hörgeschädigtenseelsorgerin