Sonntag Trinitatis

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Hildegund Lang

Morgen feiern die Christen der Westkirche den Sonntag Trinitatis, das Dreieinigkeits- oder Dreifaltigkeitsfest. Das sind sperrige Worte! Trinitatis setzt sich aus den lateinischen Wörtern „tri“ und „unitatis“ zusammen, was so viel bedeutet wie: „Drei in Einheit“. Was soll das heißen? Es ist ein Versuch zu beschreiben, wie die Christen sich das Wesen Gottes vorstellen und erleben. Der Gott der Christen ist ein Gott, der sich zum einen zeigt, als ein Vater, als der Schöpfer, der neues Leben schafft, der dem Menschen jeden Tag Luft zum Atmen gibt, der in der Blumenzwiebel im Boden die innere Uhr ticken lässt, damit sie weiß, wann die Winterruhe vorbei ist, der Sonne, Mond und Sterne am Firmament hält, und, und, und. Er ist zu den Menschen wie ein guter Vater, der Geborgenheit gibt, der alles in seiner Hand hält und den Überblick behält. Der christliche Gott ist kein unnahbarer Herrscher, vor dem man das Genick einziehen muss. Es ist ein heiliger, allmächtiger und doch gleichzeitig auch nahbarer Gott, der sich auf vielfältige Weise den Menschen offenbart. Gott zeigt sich, wie schon gesagt, als Vater, aber auch ganz nahbar, zum Berühren, in Jesus als einem Freund, der als sein Sohn geboren wird. In Jesus begibt sich Gott auf die menschliche Ebene, versteht den Menschen in allem, was ihn ausmacht, begegnet ihm auf Augenhöhe. Bietet ihm eine Brücke zu sich an. Vater, Sohn und Heiliger Geist, das ist die Trinität. Gott sitzt nicht nur irgendwo in der Ferne, vielleicht auf den Wolken, wie es in den Vorstellungen mancher Köpfe herum spukt, sondern lebt als Heiliger Geist unter uns und sogar im Innern eines gläubigen Christen. Das ist schwer vorstellbar, aber erlebbar. Der Heilige Geist fühlt mit, was ein Mensch empfindet, kann ihn trösten, ermutigen, erfreuen, ihm weiterhelfen, sein Weggefährte sein. Das Wesen Gottes zu erklären ist schwierig. Gott lässt sich nicht wirklich in ein Schema pressen. Er ist viel größer, allumfassender, vielseitiger. Diese Vielfalt versucht die Dreieinigkeit auszudrücken. Gott tritt unterschiedlich auf und ist doch ein und derselbe Gott. So kann eine Frau gleichzeitig Ehefrau, Mutter und Tochter sein. Sie nimmt jeweils verschiedene Rollen ein und wird dem Ehepartner anders begegnen als den Eltern und ihren Kindern nochmals ganz anders, ist und bleibt aber trotzdem die gleiche Person. Der Heilige Gott kann auch zu uns ganz unterschiedlich in Beziehung treten. So wie jeder es braucht. Einmal als Vater oder als Sohn, Freund, Erlöser oder er kann uns ermutigen, erfreuen, trösten, stärken, den Weg zeigen durch den Heiligen Geist. Gott ist kein toter Gott. Er ist ein lebendiger und persönlicher Gott, ein Gott der Beziehung. Ein Gott, der die Beziehung sucht zu jedem Menschen. Schwer vorstellbar!? Deshalb nicht möglich? „Gott stirbt nicht an dem Tag, an dem wir nicht länger an eine persönliche Gottheit glauben, aber wir sterben an dem Tag, an dem das Leben für uns nicht länger von dem stets wiedergeschenkten Glanz des Wunders durchstrahlt wird, von Lichtquellen jenseits aller Vernunft“, so der schwedische UN- Generalsekretär Dag Hammarskjöld. Mit Gott in Beziehung treten. Ihn als persönlichen Gott kennenlernen. Leben.

Hildegund Lang  
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Nürtingen