Du erbarmst dich aller, o Herr,
und hast Nachsicht mit den Sünden der Menschen,
damit sie sich bekehren;
denn du bist der Herr, unser Gott. (Weish 11, 24-25.27)


Mit diesen Versen aus dem Buch der Weisheit wird die Liturgie des Aschermitt-wochs eröffnet. Doch was beginnt am Aschermittwoch?
Für uns Christen bzw. Katholiken beginnt die 40-tägige österliche Bußzeit, die unter dem Begriff „Fastenzeit“ bekannt ist.
Das Fasten ist inzwischen kein speziell religiöses Tun mehr. Besonders in der ös-terlichen Bußzeit, in der wir Katholiken uns auf das große Osterfest vorbereiten, fin-den wieder unzählige „Fastenangebote“ statt. Wer kennt nicht diese säkularen An-gebote, wie organisierte Fastenwochen, Fastenwandern oder bei uns in Baden-Württemberg die „Pfundskur“? Alle diese Angebote haben in der 40-tägigen Fasten-zeit ihren Ursprung.
Am Osterfest, beginnend mit dem Gründonnerstag und der Feier des letzten Abendmahls, gedenken wir des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu von den Toten. In der Vorbereitung auf dieses Fest geht es im ursprünglichen Sinn nicht um Abspeckkuren.
Die österliche Bußzeit lädt uns dazu ein, uns innerlich auf Ostern vorzubereiten. Selten drückt ein Tag die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens so drastisch aus, wie der Aschermittwoch. Wenn unser Haupt mit Asche bestreut wird, erhalten wir die Erinnerung zugesprochen: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ (vgl. Gen 3,19). Asche stellt ein Zeichen für die Vergänglichkeit dar.
Dieses Ritual hat seine Ursprünge bereits zu alttestamentlicher Zeit: Als Zeichen der Umkehr, eines Neubeginns und der Buße, wurde öffentlich Asche auf das Haupt gestreut.
Wenn wir uns am Aschermittwoch Asche auf unser Haupt streuen lassen, drücken wir unsere Bereitschaft zur Umkehr aus: Wir können zum Beispiel in der österlichen Bußzeit Speisen mit Fleisch reduzieren oder so weit wie möglich auch auf Luxus-gegenstände verzichten. Indem wir bewusst auf etwas verzichten, können wir inner-lich frei werden.
Dieser entstandene „Freiraum“ bietet uns die Möglichkeit, unser Leben zu reflektie-ren. Darüber nachzudenken, was in vergangener Zeit gut ging, oder nicht, wo wir uns vielleicht anderen Menschen gegenüber schuldig gemacht haben. Wenn wir uns unseren Mitmenschen gegenüber nicht gut verhalten haben, haben wir uns auch zugleich Gott gegenüber schlecht verhalten.
Wir können aber zu jeder Zeit bereuen und umkehren und so die Einladung Gottes zur Versöhnung mit ihm annehmen. Er wartet auf uns und empfängt uns mit offe-nen Armen, egal wie oft wir auf dem  Weg gestürzt sind.
„Fastenzeit“ heißt so verstanden nicht nur weniger essen und trinken, sondern überhaupt weniger für sich selbst fordern. Die Fastenzeit so verstanden ermöglicht frei und gesund zu werden an Leib und Seele.

Diakon Mag. Torsten Mai