Nun also hinein in die Passionszeit

© Katja Eisenhardt

Pfarrer Harald Geyer

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Morgen feiern wir den Sonntag, Invokavit (Er hat mich angerufen!), den ersten Sonntag der Passionszeit. Die Faschingstage und Faschingsferien gehören jetzt der Vergangenheit an.
Da hören wir also auf den Wochenspruch: „ Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1. Johannes 3, 8)
Sicherlich denken wir sofort an all das Unheilvolle, das durch Teufelsvorstellungen im Laufe der Kirchengeschichte angerichtet wurde. Und manche Theologen kommen sogar zu der Auffassung, wir sollten nach alledem auf die Vorstellung des Teufels lieber verzichten, er werde ja schließlich auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis nicht erwähnt.
Aber es ist doch so - im Neuen Testament spielt der Teufel eine erhebliche Rolle. Jesus hat mit diesem Widersacher gerechnet, gekämpft und ihn besiegt. Und weil das so sei, dass Jesus schließlich dem Teufel den Zahn gezogen habe, so sollten wir, so der bekannte Theologe Karl Barth: „Allenfalls einen kurzen schrägen Blick über den Brillenrand für den Teufel übrig haben. Ein Ostergelächter ist ihm gegenüber angemessen, “ womit Barth hier freilich nicht sagen will, mit dem Teufel sei nicht mehr zu rechnen.
Der Teufel wird auch „Diabolos“ genannt. Daher kommt wohl als Verballhornung das Wort Teufel. Diabolos heißt Durcheinanderwerfer, Durcheinanderbringer. Einer, der die gute Weltordnung Gottes durcheinanderschmeißt.
Jesus aber tritt für ganz anderes an: Er möchte diese Art von Tun „zerstören“. Er will und tut anderes: Gott und Mensch, Leben und Glauben, Hoffnung und Liebe wieder vertrauensvoll zusammenführen. Das ist sein Ziel – bis heute. Und dazu benötigt er seine Geschöpfe, auch uns Menschen, die bewußt auf das Osterfest zugehen und hierin allem Bösen dieser Welt in österlichem Glauben und Tun entgegen -beten und -treten. Auch hierzu kann nun diese Passionszeit nützlich sein.

Pfarrer Harald Geyer, Kohlberg