Beim Karfreitag fündig werden? Das wär's

Solange dieses Leben währt, bleiben wir Suchende. Wer mit wachen Augen auf sich selber sieht und genauso die Menschen um sich herum betrachtet, kann sich der Wahrheit dieser Aussage kaum entziehen. Allen Menschen ist wohl ein Suchen nach Leben, dem schönen, guten, heilen Leben eigen – ganz gleich, worin und wie sich solches Suchen auch äußert.


Dietrich Bonhoeffer hat diese grundlegende menschliche Suchbewegung als eine Suche nach Gott verstanden und sie in drei Strophen eines Passionslieds gefasst. Wir finden es unter der Nummer 547 im Evangelischen Gesangbuch:

(1) Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
(2) Menschen gehen zu Gott in seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.
(3) Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod und vergibt ihnen beiden.

Was Christen demnach bei ihrer Gottessuche von derjenigen der Nichtchristen unterscheidet? Christen suchen Gott auch und gerade dort, wo andere sich eher irritiert abwenden und lieber woanders suchen gehen (um dann ja auch bei einem gänzlich anderen „Gott“ fündig zu werden). Christen suchen Gott als den in Jesus Christus Mensch gewordenen Gott vielmehr gerade dort, wo sich seine Einzigartigkeit besonders deutlich zeigt: am Kreuz auf Golgatha, in seinem Leiden und Sterben ja nicht allein für die Christen, sondern für alle seine Menschen. Geht er doch dort in den Tod und bricht so dessen Allmacht, damit wir alle nicht länger Kandidaten des Todes bleiben, sondern Menschen des Lebens werden.

Was könnte es demnach für uns alle Schöneres, Besseres, Heilsameres geben, als von Herzen zu glauben, dass unser Leben von der leidenschaftlichen Liebe dieses Gottes längst schon gefunden ist?

Dann hörte doch auch jenes rastlose und zunehmend ratlose Suchen auf, unter dem das Leben so vieler Menschen nicht erst seit heute leidet. Denn es würde verwandelt sein in ein Verstehen, das immer tiefer und einverständiger, immer dankbarer und befreiter Gottes Liebe zu fassen und zu erwidern sucht.

Pfarrer Martin Frey, Wendlingen