Auferstehungskaffee

Diesen Begriff hat mal vor Jahren ein Kollege geprägt. So bezeichnete er einen sehr starken Kaffee, durch dessen Genuss sogar „Tote wieder lebendig“ würden. Wenn wir uns bei Sitzungen trafen und in das sogenannte 14-Uhr-Loch fielen oder vor Müdigkeit kaum noch denken konnten, aber mussten, dann wünschten wir uns einen „Auferstehungskaffee“. Im Zeitalter der Kaffeevollautomaten ist ein Auferstehungskaffee einfach herzustellen und so komme ich vor allem in den Mittagspausen häufig in seinen Genuss.
Für mich ist dieser Begriff inzwischen zu einem Synonym geworden. Immer dann, wenn ich mich völlig kraft- und saftlos fühle und kaum noch Lebensenergie in mir spüre, dann sehne ich mich nach einem „Auferstehungskaffee“. Einem Mittel, das meinen Akku schnell auflädt und mich mit neuer Lebensenergie versorgt. So ein Mittel gibt es natürlich nicht. Aber einen, der mir versprochen hat, diese Lebensenergie zu spenden. Im Johannesevangelium sagt Jesus Christus von sich selbst: „Ich bin die Auferstehung und ich bin das Leben. Wer mir vertraut, der wird leben, selbst wenn er stirbt“ (Johannes 11,25 nach Hoffnung für alle). Bei Jesus sitze ich gleichsam an der Quelle der Lebensenergie. Wenn also mein Akku leer ist, bitte ich ihn, mich mit seiner Kraft zu füllen, mich wieder lebendig zu machen, damit ich aufstehen und weitermachen kann mit neuer Lebensenergie. Dann fühle ich mich quicklebendig – eben alles andere als halblebig oder scheintot. Gottes Lebensenergie wirkt wie der „Auferstehungskaffee“. Die Aussage von Jesus bezieht sich nicht nur auf mein gegenwärtiges Leben, sondern auch auf mein Lebensende. Der Glaube an ihn macht Tote lebendig. Eine Hoffnung auf das ewige Leben weit über mein irdisches Dasein hinaus.
Sie fragen jetzt, wie auch sie die Quelle dieser Lebensenergie anzapfen können? Dann besuchen sie doch morgen einen der vielen Ostergottesdienste. Das Osterfest ist genau der richtige Anlass dafür. Die Christenheit feiert die Auferstehung Christi von den Toten und somit den Sieg des Lebens über den Tod. Dort, wo sich die Christinnen und Christen versammeln, werden sie die Quelle der Lebensenergie finden. Und wer weiß: vielleicht bekommen sie ja nach dem Gottesdienst beim Kirchenkaffee einen Auferstehungskaffee angeboten. Ausgeschlossen ist das an Ostern bestimmt nicht.

Pastorin Dorothea Lautenschläger, Evangelisch-methodistische Kirche Bezirk Nürtingen