Wort zum Palmsonntag

Liebe Leserinnen, liebe Leser, was verbinden Sie mit dem Begriff Palmsonntag? Mir fallen dazu Palmkätzchen, Palmzweige, Palmesel und Palmprozession ein. In manchen Gemeinden werden an diesem Tag festliche Gottesdienste mit Prozessionen gefeiert, bei denen bunt geschmückte Palmbuschen und Zweige mitgetragen werden. In den christlichen Kirchen beginnt mit diesem Tag die Passionszeit, die Vorbereitung auf das höchste christliche Fest, Ostern. Wir erinnern uns an den triumphalen Einzug Jesu nach Jerusalem. Jesus, dem der Ruf als Wundertäter und Heiler vorauseilte, wurde gefeiert wie ein Superstar. Menschenmassen jubelten ihm zu. Sie rissen Zweige von den Bäumen und breiteten ihre Kleider wie einen Teppich vor ihm aus. Er sollte ihr König werden.
Ein König, der kostenfrei für Gesundheit und heilvolles Leben sorgt, der friedvolles und sorgenfreies Miteinander ermöglicht, das käme auch heute noch gut an. Was die Menschen damals an Jesus irritierte war die Tatsache, dass er nicht in Pracht und Würde daher kam, sondern auf einem geliehenen Esel. Seine Botschaft war nicht: immer mehr, immer mächtiger, immer größer… sondern: „Wer der Größte sein will soll Diener aller sein“. Wer aber möchte schon Diener sein? Möchten wir nicht lieber bestimmen wo‘s lang geht, darüber entscheiden was wie gemacht wird? Jesus hatte die Vision, die Welt aus ihrem Unheil heraus zu führen, eine Vision, die auch noch heute Erfolg verspricht. Es ist die Vision der Liebe: zu mir selbst, zum Nächsten, zu Gott.
Die jubelnde Menge in Jerusalem war nicht in der Lage, Jesus und seiner Botschaft konsequent nachzufolgen. Die verlockenden Argumente der Mächtigen und Reichen erschienen ihnen angemessener. Auf diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass die gleichen Menschen am Karfreitag nicht mehr Hosianna riefen, sondern: „Ans Kreuz mit ihm…“
Dieser Ruf klingt bis heute, vielleicht lauter denn je, ob in Nationalhymnen, in der Politik (Amerika first), in den Kirchen, im Gemeinwesen, in Familie und Partnerschaft. Wird sich denn daran nie etwas grundlegend ändern? Steuert alles auf einen „großen Karfreitag“ zu? Die Botschaft Jesu ist eine andere! Jesus blieb nicht im Grab, im Tod. Jesus, die menschgewordene Liebe Gottes, war stärker als der Tod! Das ist die Botschaft von Ostern, die Botschaft der Auferstehung. Damit ich immer wieder an diese hoffnungsvolle Botschaft erinnert werde, stecke ich mir einen gesegneten Zweig vom Palmsonntagsgottesdienst hinter ein Kreuz in meiner Wohnung. Ich wünsche ihnen einen gesegneten Palmsonntag.

Diakon Peter Seidl, Nürtingen