„Als das Wünschen noch geholfen hat“, so beginnen manche Märchen und meistens hat die Hauptperson dann drei Wünsche frei. Diese wollen gut überlegt sein. Im Märchen gehen meistens zwei Wünsche schief, bevor der dritte dann „sitzt“.
Hilft es heute, dass unsere Wünsche, auch der nach einem Kind, einem gesunden Kind, einem Kind mit bestimmten Merkmalen, machbar erscheinen, erfüllbar sind?
Als das Wünschen noch geholfen hat, damals und heute, zielten und zielen unsere Wünsche auf Vollkommenes, wünschen wir uns Perfektion. Das ist verständlich, doch das Leben ist nicht so und war es nie. Das Leben ist vielfältig, facettenreich, unberechenbar, verschwenderisch, schön und schwierig, oft beides zugleich.
Das Motto der diesjährigen Woche für das Leben: Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby nennt die Möglichkeiten, die wir heute in Bezug auf Kinder haben, zumindest in den reichen Ländern. Bringt uns also der medizinische Fortschritt und die Pränataldiagnostik dem Wunsch nach Vollkommenheit näher?
Zumindest ermöglichen beide, dass Kinder lebensfähig/gesund geboren werden und vergnügt aufwachsen, weil z.B. schwere Herzerkrankungen in der Schwangerschaft erkannt und behandelt wurden. Darüber können wir uns freuen und darauf dürfen wir stolz sein.
Auf der anderen Seite erinnern uns die Märchen, dass Wünsche bedacht werden sollen – sie könnten ja wahr werden! Nicht alles was machbar ist, ist auch wünschenswert. Oft sehen wir die Folgen des Machbaren nicht ab. Leben ist nie vollkommen, Wünsche werden durchkreuzt, es gibt keine Garantie auf Gesundheit, Glück oder Kinder, die so werden wie wir sie uns wünschen. Allerdings gibt es in jeder Situation die Möglichkeit,  eine neue, unbekannte und „unerwünschte“ Facette des Lebens zu entdecken.
Viele Mütter und Väter, deren Kinder Behinderungen haben, erzählen davon, wie reich ihr Leben mit und durch diese Kinder geworden ist, auch wenn sie viele Belastungen tragen. Es gibt erfülltes Leben jenseits dessen, was uns wünschenswert erscheint oder was als „Designernorm“ angesagt ist.
Für mich sind Familien, die sich darauf einlassen,  die wahren Märchenhelden und Meister des Alltags. Freilich oft stille Helden und manchmal erschöpfte Meister.
Der ev. Theologe Diedrich Bonhoeffer hat während seiner Gefangenschaft erkannt: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott“. Wenn wir in dieser Haltung wünschen, wird unser Leben reich. Wird aus der Woche für das Leben eine verheißungsvolle Woche. Das wünsche ich Ihnen und mir.

Gabriele Greiner-Jopp