Kirchenbezirk in ruhigem Finanz-Fahrwasser

Bezirkssynode befasst sich mit den Haushaltsplänen fürs kommende Jahr

Autorin: Kareen Keller-Kuhnle

Die Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen stand am vergangenen Freitag weitgehend im Zeichen kirchlicher Finanzen – sowohl der bereits vergangenen als auch der künftigen.

Die Vertreter der 28 Gemeinden im Kirchenbezirk wurden diesmal in Frickenhausen vom Vorsitzenden der Bezirkssynode, Dieter Oehler, begrüßt. Sehr schnell abgehakt werden konnte der Prüfbericht des Rechnungsamtes, den Bezirksrechner Jörg Bauknecht den Synodalen präsentierte. Die Prüfung der Jahre 2011 bis 2014 waren bis auf minimale Beanstandungen rein verwaltungstechnischer Punkte durchweg positiv verlaufen.

Bis 2030 etwa neun Pfarrstellen im Kirchenbezirk einsparen

Ebenfalls erfreulich war der Jahresabschluss für 2015, den Bauknecht vorlegte. Am Ende des Rechnungsjahres blieb sogar ein Überschuss, der in die Rücklagen des Bezirks floss. Grund hierfür waren in erster Linie Einsparungen bei den Personalkosten, die allerdings nicht nur erfreulich waren, wie Bauknecht betonte; blieben doch die Stellen im Gemeindediakonat/Jugendwerk ungewollt unbesetzt. Sein Fazit fiel jedoch sehr positiv aus: die Trendwende weg von defizitären Haushalten sei erreicht, „die Finanzen des Kirchenbezirks sind konsolidiert und können nun in ein ruhiges Fahrwasser gehen“.

Den Blick in die Zukunft, und zwar bis ins Jahr 2030 und darüber hinaus, richtete auch Dekan Michael Waldmann, als er dem Gremium den Pfarrplan 2024 vorstellte. Mit diesem Plan reagiert die Landeskirche auf die Personalpolitik der 1980er- und 1990er-Jahre, in denen sehr viele Stellen mit Absolventen aus den geburtenstarken Jahrgängen neu besetzt wurden. Wenn diese nun Ende der 2020er-Jahre in den Ruhestand gehen, würde auf ein Mal eine große Lücke im Personalbestand der Kirche entstehen. Dies langfristig abzufedern, ohne erneut eine „Schieflage“ in der Altersstruktur zu schaffen, ist das Ziel dieser Planung. Wie Waldmann ausführte, muss bis zum Jahr 2030 rund ein Drittel der Pfarrstellen in der Landeskirche eingespart werden. Für den Kirchenbezirk bedeutet das konkret die Einsparung von rechnerisch etwa neun Pfarrstellen. Seit 2006 sind so bereits vier Stellen verloren gegangen.

Die Herausforderung ist, so der Dekan, die Kirche auch in der Fläche zu erhalten und sowohl Spiel- als auch Gestaltungsräume weiterhin zu gewähren. Dazu wird es nötig sein, mehr noch als bisher Synergien zu suchen und zu nutzen. Ziel sei es, die „Pastorationsdichte“, also die Zahl der Pfarrer pro Kirchenmitglieder, so gut wie möglich konstant zu halten. Hilfe bei diesen Umstrukturierungen kommt auch von der Landeskirche, die mit Mitteln für zusätzliche Stellen für Religionspädagogen und Verwaltungsmitarbeiter die Pfarrer entlasten will. An der Ausgestaltung dieses Pfarrplans im Kirchenbezirk soll deshalb ein eigens dafür ins Leben gerufener Pfarrplan-Sonderausschuss arbeiten. Ihm gehören neben je einem Pfarrer noch jeweils zwei Kirchengemeinderäte aus den vier Kirchendistrikten Neuffener Tal, Nürtingen, Aich-Erms-Neckartal und Unterer Neckar an, die die Synode nun wählte.

Ebenfalls zur Wahl stand Gudrun Laible, die als Nachfolgerin des ausgeschiedenen Pfarrers Martin Schwer nun im Vorstand der AG Hospiz die katholische Kirche vertreten wird.

Langfristig werden Steuereinnahmen sinken

Erfreuliches zum Thema der Kirchensteuerverteilung im kommenden Jahr war auch vom Leiter der kirchlichen Verwaltungsstelle, Martin Stährmann, zu hören. Trotz sinkender Zahlen bei den Gemeindemitgliedern ist die Summe der eingegangenen Kirchensteuer dank der guten Wirtschaftslage gestiegen. Für die Zuweisung an den Kirchenbezirk bedeutet dies, wie bereits in diesem auch im kommenden und allen weiteren Jahren bis 2020, ein jährliches Plus von 3,7 Prozent. Eine Zahl, die zwar sehr erfreulich sei, wie auch Bezirksrechner Bauknecht betonte, die aber nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass langfristig die Steuereinnahmen aufgrund des demografischen Wandels sinken werden. Auf die „fetten Jahre“ würden mit Sicherheit auch magere folgen. Deshalb sei es wichtig, jetzt Rücklagen zu bilden. Sein vorgelegter Plan für die kirchliche Arbeit und den Stellenplan 2017 belegt diese negative Entwicklung der Gemeindemitgliederzahlen. Bauknecht freute sich dennoch über einen „nahezu ausgeglichenen Haushalt, oder wie man auch sagt, die rote Null“. Der Haushaltsplan, der für 2017 eine Summe von über 1,7 Millionen Euro umfasst, wurde von der Synode einstimmig angenommen.

Fahrt vom Kirchenbezirk in die Lutherstadt Wittenberg

Dr. Markus Geiger vom Evangelischen Bildungswerk im Landkreis Esslingen berichtete der Synode schließlich noch von den Plänen rund um den Kirchentag in Berlin, der im Lutherjahr 2017 natürlich ganz im Zeichen des Reformators stehen wird. Neben den Veranstaltungen vom 24. bis 28. Mai in Berlin ist in der Lutherstadt Wittenberg ein Fest-Wochenende mit der zentralen Veranstaltung des Reformationsjahres geplant. Der Bezirk Nürtingen wird natürlich dort ebenfalls vertreten sein und Geiger lud schon jetzt ein, sich für die Fahrt mit dem Jugend- und Bildungswerk anzumelden.

Protokolle der Bezirkssynoden

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