Bezirkssynode am 31. März 2017 in Wolfschlugen

Bezirkssynode feiert Reformationsjubiläum

Autorin: Kareen Keller-Kuhnle

Die evangelische Kirche feiert das fünfhundertjährige Reformationsjubiläum – was läge näher, als dieses Jubiläum auch bei der  Frühjahrssynode des Kirchenbezirks Nürtingen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Pfarrer und Pfarrerinnen sowie die Laienvertreter aller Gemeinden im Bezirk trafen sich am vergangenen Freitag in Wolfschlugen. Und anders als bei den sonstigen Bezirkssynoden, wo der gemeinsame Gottesdienst den Abschluss bildet, rückte er diesmal ins Zentrum des Abends.

Selbst für die gelernten Theologen bot der Vortrag, den Dr. Wolfgang Schnabel, Geschäftsführer der  evangelischen Erwachsenen- und Familienbildung, vorab zur Einstimmung hielt, Überraschendes. Sein Thema: Der Abendmahlstreit in der Reformation. Dabei ging er zuerst der Frage nach, welche Bedeutung das Abendmahl in der katholischen Kirche hatte und noch immer hat,  und wie Luthers Deutung dieses Sakraments aussieht.

Doch auch innerhalb der Reformationsbewegung, so berichtete Schnabel, gab und gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Während Luthers Lehre besagt, dass Christus leibhaftig in, mit und unter den Elementen von Brot und Wein anwesend ist, vertrat der schweizerische Reformator Zwingli eine weitaus radikalere Position. Er proklamierte, nur der Glaube allein konstituiere das Abendmahl. Die Elemente Brot und Wein stehen nur symbolisch für Blut und Leib Christi.
Diese unterschiedlichen Positionen, die bis heute Bestand haben, verhinderten immerhin bis ins Jahr 1973, dass evangelische und reformierte Christen zusammen das Abendmahl feiern konnten; erst dann einigten sich beide Kirchen in der Leuenberger Konkordie auf eine gegenseitige Anerkennung.
Dabei sei doch das Abendmahl  in allererster Linie ein Mahl der Liebe, der Freude und der Versöhnung, wie Schnabel hervorhob.
In eben dieser Stimmung, vom Wolfschlugener Posaunenchor musikalisch festlich begleitet, feierte die Synode das Abendmahl. Dekan Michael Waldmann betonte in seiner Predigt, das Ziel christlichen Wirkens müsse das Zusammenwachsen sein. Den vielfältigen Veränderungen, die in den künftigen Jahren auf die Kirche zukommen werden, begegne er mit Hoffnung.

Und so drehte sich dann auch der zweite Teil der Synode um jene Maßnahmen, die die Kirche zukünftig stark und handlungsfähig halten sollen.
Bereits im vergangenen Jahr befasste sich die Bezirkssynode mit dem Thema  Diakonat. Der alte Diakonatsplan aus dem Jahr 2007 sollte evaluiert und den neuen Anforderungen angepasst werden. Eine neunköpfige Arbeitsgruppe unter Leitung von Dekan Waldmann legte nun den Diakonatsplan 2018 als Resultat ihrer einjährigen Tätigkeit vor. Kernpunkt des Plan ist die Stärkung des Diakonats, das sich in zwei Bereiche aufteilt: Zum einen die Jugendarbeit, die vier Siebtel der  Stellen umfassen wird. Die anderen drei Siebtel sind den restlichen diakonischen Aufgaben, etwa der Vesperkirche, Flüchtlingsarbeit oder dem Ferienlager gewidmet. Dabei sollen alle Diakoninnen und Diakone möglichst in  einer Gemeinde eingebunden sein.
Nach kurzer Diskussion und einer geringfügigen Änderung stimmten die Synodalen dem Diakonatsplan 2018 mit großer Mehrheit zu.

Ebenfalls verabschiedet wurde die Vereinbarung zwischen den Kirchenbezirken Bernhausen, Esslingen, Kirchheim und Nürtingen zur gemeinsamen Finanzierung des Kreisdiakonieverbandes im Landkreis Esslingen ab 2018. Mit dieser Vereinbarung sollen die Beziehungen der  vier Bezirke untereinander gestärkt, und die gemeinsamen diakonischen und seelsorgerlichen Aufgaben unterstützt werden, wie die Präambel besagt. Martin Stährmann, Leiter der Kirchlichen Verwaltungsstelle Esslingen, stellte den Finanzplan vor, der bis ins Jahr 2023 ausgelegt ist. „Für Nürtingen wird es etwas teurer“, kündigte er an, denn die Umlagen der vier Bezirke sollen angeglichen werden.

Eine Einladung nach Stuttgart auf den Schlossplatz brachte Robby Höschele vom evangelischen Jugendwerk in Württemberg. Am 23. Und 24. September findet dort „Das Festival“ anlässlich des Reformationsjubiläums mit vielen Bands und umfangreichem Programm statt.

Bereits für den 19. Mai ist allerdings schon in Nürtingen ein großes Fest geplant. Zehn Jahre Vesperkirche soll an einer 280 Meter langen Tafel, die von der Kreuzkirche bis zur Stadtkirche reicht, gefeiert werden.  „Da kommt viel Arbeit auf uns zu“, kündigte Waldmann an, denn es sollen eintausend Menschen bewirtet werden. Insgesamt würden 250 Helfer gebraucht, die Hälfte sei bisher gesichert, so der Dekan. Er ermunterte die Synodalen, entweder als Helfer oder aber als Gäste dabei zu sein.
Nicht nur Maultaschen und Kartoffelsalat erwarten dort die Gäste. Auch ein umfangreiches Musik- und Kulturprogramm runden das Fest unter dem Motto „gemeinsam an einem Tisch“ ab.

Protokoll der Bezirkssynode am 31. März 2017