Herbstsynode 2009 in NT-Reudern

Lob gab’s für die Prädikanten.

Musiktalente für die Gemeindearbeit

Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks – Einen Partnerschaftsvertrag beschlossen

 

Die Religion gibt dem Leben Wärme und Geistigkeit. Wie beides erbracht werden kann, machte die am Freitag im Reuderner Gemeindezentrum Friedenskirche abgehaltene Sitzung der Bezirkssynode Nürtingen deutlich.

Über die derzeitige finanzielle Lage waren dabei keine Klagen zu hören. Anders sieht es aus bei der Entwicklung der Mitgliederzahlen. Von 2007 bis zum vergangenen Jahr ist im Bezirk die Zahl der Mitglieder von 55 245 auf 54 763 gesunken.

Seit der Erhebung von Kirchensteuern waren die Einnahmen noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr. Die evangelische Landeskirche beziffert sie für 2008 auf 594 Millionen Euro. Gleichzeitig ließ Hans König, der Leiter der kirchlichen Verwaltungsstelle, keine Zweifel daran, dass es bei diesem Höchststand nicht bleiben wird. Er geht von einer negativen Entwicklung aus. Für das laufende Jahr rechnet er mit 565 Millionen Euro, für 2010 nur noch mit 500 Millionen Euro.

Der Kirchenbezirk Nürtingen weist naturgemäß viel bescheidenere Zahlen auf, wie Kirchenbezirksrechner Jörg Bauknecht deutlich machte. Hier beläuft sich im kommenden Jahr das Haushaltsvolumen auf 1,2 Millionen Euro. Die gewichtigsten Posten des Haushalts für das kommende Jahr sind 145 300 Euro für die Jugendarbeit, 316 600 Euro für das Diakonat, also für die Diakone, und 225 258 Euro fließen in die soziale Arbeit, etwa in die Konfliktberatung. Dieter Oehler, Vorsitzender der Synode, zeigte sich von den aktuellen Zahlen durchaus angetan. Über Hans König sagte er mit einer Mischung aus Freude und Bedauern: „Nicht jedes Jahr kommt er und bringt uns zusätzliche 100 000 Euro.“

Der Umstand, dass im Kirchenbezirk Nürtingen von 2007 auf 2008 die Zahl der Mitglieder um 482 zurückgegangen ist, löste eine knappe Ursachendiskussion aus. Für Dekan Michael Waldmann ist der Rückgang nur zum Teil eine Folge von Kirchenaustritten und der allgemeinen demografischen Entwicklung. In evangelischen Familien kommen, wie er aus einer Studie weiß, weniger Kinder auf die Welt als in Familien anderer Konfessionen. „Das macht uns Sorgen, wir sind besonders betroffen.“

Der gesamte Trend mache es „bei uns“ zur Zeit nicht leicht. Eine Patentlösung hatte in der Diskussion niemand zur Hand. In dem Vorschlag, sich der Mittel gewisser Freikirchen zu bedienen, mochte auch kaum jemand eine Lösung zu erkennen. Die tief besorgte Miene des Dekans hellte sich erst allmählich wieder auf.

Unter den zahlreichen Tagesordnungspunkten befand sich auch die Frage des Abschließens eines Partnerschaftsvertrages mit einer Gemeinde auf der indonesischen Insel Sulawesi. Lydia Häussermann setzte sich nachdrücklich für einen solchen Vertrag ein. „Wir können“, sagte sie, „trotz aller Unterschiede eine Einheit sein“. Es geht ihr dabei nicht um eine mehr oder weniger nur auf dem Papier stehende Zusammenarbeit, sondern um das Einbeziehen möglichst vieler Menschen aus dem Bezirk. Eine Partnerschaft müsse gelebt werden, der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen. Nach einer ausführlichen Diskussion wurde der im Text vorliegende Partnerschaftsvertrag bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen angenommen.

Es sind Prädikanten, die dafür sorgen, dass jeden Sonntag in jeder Kirche ein Gottesdienst stattfinden kann. Sie müssen nicht notwendigerweise Theologie studiert haben. Anerkennung für ihre treue Arbeit erfuhren Elfriede Hassan und Theodor Rehm. Als Prädikantin verabschiedet wurde Eva Schittenhelm. Der Dekan und Bezirksprädikantenpfarrer Heinz-Michael Souchon fanden anerkennende Worte für diesen Dienst in der Verkündigung. Ebenso fand der Dekan Lobesworte für Hans-Peter Sihler, der aus der Synode ausscheidet.

Angela Rau-Culo und Michael Culo sind als Bezirkskantoren angestellt. Michael Culo appellierte an die Mitglieder der Synode, etwa in der Gemeinde vorhandene musikalische Talente für eine Weiterbildung zu gewinnen. Es geht dabei keineswegs ausschließlich um den Dienst an der Orgel, es kommen auch andere Instrumente in Frage, zum Beispiel die Gitarre. Bei dieser Weiterbildung, für die das Kantorenehepaar zur Verfügung steht, soll nicht zuletzt auf die sogenannte Popularmusik eingegangen werden.

Dekan Michael Waldmann setzte sich nachdrücklich für ein Fundraising-Projekt des Kirchenbezirks ein. Dabei sollen etwaige Teilnehmer beraten werden, wie vorzugehen ist, wenn etwa eine Gemeinde ihre Kirche renovieren will und dafür Geld benötigt. Gedacht ist an einen Kurs an sieben Wochenenden. Das Vorhaben wurde bei drei Gegenstimmen und 13 Enthaltungen durchgewunken.

Ebenso um Unterstützung ging es bei der im Februar gegründeten „Stiftung Wertvoll“. Durch die Stiftung soll die Jugendarbeit im Kirchenbezirk gefördert werden. Günther Arnold, der Vorsitzende, bat um Unterstützung in Wort und Tat. Sein Appell fand mehrheitlich offene Ohren.

Nach gut vier Stunden fand die Synode mit einer Andacht ihr Ende. Das Opfer dabei fließt traditionell an die Aktion „Licht der Hoffnung“.