Dorothee Moser ist neue Schuldekanin für die Bezirke Nürtingen und Kirchheim

„Kinder brauchen Bildung in Sachen Religion“

Seit Kurzem ist Dorothee Moser als neue Schuldekanin für die evangelischen Kirchenbezirke Kirchheim und Nürtingen im Amt. Sie kehrt damit in die Gegend zurück, in der sie aufgewachsen ist. Ihre Investitur fand in der vergangenen Woche in der Kirchheimer Martinskirche statt.

 

Dorothee Moser hat im Wendlinger Büro der Schuldekane die Nachfolge von Renate Schullehner angetreten, die wieder Gemeindepfarrerin geworden ist. Moser ist den umgekehrten Weg gegangen: Die vergangenen Jahre war sie Pfarrerin in Bad Schussenried, vor wenigen Tagen hat für sie eine neue berufliche Herausforderung begonnen.

Die ersten zehn Lebensjahre hat Dorothee Moser in Schopfloch verbracht. Ihr Vater war Pfarrer, ihre Mutter Religionspädagogin. Die Tochter ist beides geworden, Theologin und Diplompädagogin. Das neue Amt empfindet sie als ideale Kombination: „Bildung lag mir schon immer am Herzen.“

Als Schuldekanin ist sie für die Fachaufsicht über die Religionslehrer in den Kirchenbezirken Kirchheim und Nürtingen zuständig. Sie sieht ihre Aufgabe weniger in einer strengen Aufsicht, sondern spricht vom „Beraten und Begleiten in allen Fragen des Religionsunterrichts“. Sie steht als Gesprächspartnerin zur Verfügung, wenn zum Beispiel Eltern nicht mit dem einverstanden sind, was im Religionsunterricht gelehrt wird. Es gebe unterschiedliche Typen von Religionslehrern, die ihre Schüler unterschiedlich prägen können, sagt Moser.

Wichtig sei, dass Schüler religiöse Bildung erfahren. Kinder und Jugendliche sollten mit dieser Dimension des Lebens in Berührung kommen. „Wir haben kein Recht, ihnen die Religion vorzuenthalten.“ Den Religionsunterricht will sie aber nicht als „Missionierung“ verstanden wissen. „Was die Schüler nachher draus machen, kann man offenlassen.“

„Kinder brauchen Fachwissen und Bildung in Sachen Religion und dafür ist der Staat zuständig“, sagt die Schuldekanin und führt Hans Küngs Aussage an, dass es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden geben könne. Dies zeige, dass sich der Staat nicht komplett aus der Verantwortung für die religiöse Bildung zurückziehen könne. Die Gefahr, die Religion zu missbrauchen und Menschen aufzustacheln, bestehe nur, wenn die Menschen über die Religion nicht genug Bescheid wüssten. Eine jahrhundertelange religiöse Auseinandersetzung sei überwunden. Moser spricht von einer „engen Zusammenarbeit“ mit ihrer katholischen Schuldekanatskollegin Carmen Trick. „Die Kooperation der beiden großen Kirchen im Religionsunterricht ist unerlässlich.“ Eine Herausforderung sieht Moser in der Frage, wie die Kooperation mit Muslimen gelingen kann.

Die Schuldekanin selbst sammelt gerne Wissen über andere Religionen. „Ich liebe die Begegnung mit Menschen in anderen Kulturen, ich suche Wüsten auf und steige gerne auf hohe Berge“, sagt die 48-Jährige, die den Kilimandscharo in Tansania ebenso bezwungen hat wie den Chimborazo in Ecuador.