Wilhelma hinter den Kulissen

Vergnügt und erwartungsvoll traf sich eine 30köpfige Gruppe bei bestem Wetter mitten im Juli am Nürtinger Bahnhof, um gemeinsam nach Bad Cannstatt zur Wilhelma zu fahren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesamtkirchengemeinde Nürtingen und des Kirchenbezirks sind der Einladung ihres Arbeitgebers gefolgt, um gemeinsam – teilweise nach vielen Jahren wieder einmal - die Wilhelma zu besuchen.
Nach der Ankunft war die Möglichkeit zum Kaffeetrinken gegeben. Viele nutzten jedoch die Gelegenheit, um bereits erste Erkundungen in der Wilhelma vorzunehmen. Größter Anziehungspunkt war das neue Gehege der Gorillas und Bonobos. Besonders die Jungtiere zauberten auf jedes Gesicht ein Lächeln, zumal eine gewisse Ähnlichkeit in Mimik und Gestik zur menschlichen Gattung nicht zu leugnen ist.
Gerda Armbruster, die Dekanatssekretärin, die diesen Ausflug wieder wie gewohnt perfekt geplant hatte, hat eine botanische und eine zoologische Führung „hinter den Kulissen“ gebucht, zwischen denen sich die Teilnehmer entscheiden konnten.

Streichelzoo in der Wilhelma? Weit gefehlt - Futtermittel für Schlangen!

Bei der zoologischen Führung erfuhren die Teilnehmer Interessantes über die Futtermittelherstellung und –zuteilung. Wer sich bisher gefragt hatte, woher das „Lebendfutter“ für Reptilien, Vögel etc. kommt, konnte einiges dazu lernen. Von Mehlwürmern angefangen, über Heuschrecken, Ratten, Mäuse und Häschen, werden sämtliche für die Nahrungsaufnahme notwendigen Tiere in der Wilhelma in der Futtermittelzuchtabteilung gezüchtet. Liebhaber von Haustieren mussten hier sehr schlucken.

Trockenfuttermischungen müssen heute nicht mehr selbst hergestellt werden, sondern können von Futtermittellieferanten in jeder gewünschten Zusammensetzung bestellt werden. So benötigen z.B. Flamingos den Farbstoff einer bestimmten roten Krebsart, damit ihr Gefieder die rosa Farbe erhält. Dieser Farbstoff wurde früher künstlich durch „Paprika“ ersetzt. Heute ist das Futter komplett mit allem Notwendigen angereichert.

In den Kühl- und Gefrierräumen lagert Fleisch, Fisch, Meerestiere, Gemüse, Obst und Eier. In Kisten werden die Futtermittel für bis zu drei Tage vorgerichtet und dann in die entsprechenden Abteilungen verteilt.

Für die Aquarien, in denen Meerestiere leben, ist es notwendig, Meerwasser in der richtigen Zusammensetzung von Salz und Mineralien selbst herzustellen. Hierzu steht ein ausreichend großes Becken zur Verfügung.

Interessant war auch die Lagerhalle mit den Transportkisten für die Ausfuhr und Transport der Tiere in andere Zoos weltweit. Hierbei sind besonders die Einfuhrbestimmungen der Ankunftsländer, natürlich aber auch die Bedürfnisse der einzelnen Tierarten zu berücksichtigen. So werden die Transportkisten von Schreinern gefertigt, die extra hierzu in der Wilhelma angestellt sind. Beispielsweise ist es nicht erlaubt, nach Australien Naturholz einzuführen, um zu vermeiden, dass der Holzwurm sich ausbreitet. Die Ausfuhr von Tieren dient der Arterhaltung und der Vermeidung von Inzucht.

Die botanische Führung wurde von Herrn Hoffmann, der Zierblumengärtner ist, durchgeführt. Diese Gruppe war verständlicherweise etwas kleiner als die zoologische Führung.
Der botanische Garten der Wilhelma kultiviert über 6.000 verschiedene Pflanzenarten und -sorten. Zum Bereich des botanischen Gartens gehören nicht nur die Schauhäuser, in denen die Pflanzen für die Besucher ausgestellt sind, sondern eine große eigene Gärtnerei mit Gewächs- und Anzuchthäusern.
Zuerst wurden die Schauhäuser besichtigt, die die Wilhelma so berühmt macht. Wunderschöne Orchideen, Azaleen, Kamelien, Bromelien, Fuchsien sowie Kakteen und andere Sukkulenten und die Sonderausstellung über fleichfressende Pflanzen.

Auch architektonisch ist der 1853 erbaute Wintergarten in der Mitte der historischen Gewächshauszeile sehr sehenswert, er gehört in die Kategorie der höfischen Glashäuser des 19. Jahrhunderts. Die Bepflanzung ist an historische Darstellungen angelehnt. Auf dem Mittelbeet wächst rasenartig der Moosfarn Selaginella, dessen grüner Teppich dem Raum Tiefe und Weite gibt. Die in den Selaginella-Rasen eingebetteten Pflanzeninseln werden je nach Saison mit blühenden Topfpflanzen wie Narzissen, Alpenveilchen oder Weihnachtssternen geschmückt. Palmen sowie die riesige Ess-Banane geben dem ganzen Ensemble den Charakter eines tropischen Gartens.
Danach ging es weiter in eigene Gärtnerei. In jedem Gewächshaus werden andere Blumen, Kakteen, Zitronenbäume, usw. gehegt, gepflegt und gezüchtet. Von ganz klein bis ganz groß. Jedes Gewächshaus hat andere Temperaturen, eine andere Luftfeuchtigkeit. Schädlingsbekämpfung wird mit Marienkäfern, die bei Firmen bestellt werden können, oder mit einem bestimmten Granulat, das auf die Blätter gestreut wird, durchgeführt. Zum Schluss der 1,5 stündigen Führung wurde uns noch die  Seerosen- und Lotursblüten- züchtung gezeigt. Dass Seerosen duften und das Lotusblatt wegen seiner vielen kleinen Härchen, Wasser und Schmutz abweist,  wurde uns gezeigt.

Die Wilhelma ist eine wunderschöne Anlage. Ein Besuch lohnt sich auch ohne Kinder jederzeit. Am Seerosenteich erfuhren wir, dass der Teich beheizbar ist. Die tropischen Seerosen benötigen eine bestimmte Temperatur, um gedeihen zu können. Sie können auch nicht überwintern und werden daher im Winter aus dem Teich genommen.

Mit einer Plage hat die Wilhelma besonders zu kämpfen. In der Stadt Stuttgart leben zwischen 2000 und 3000 Füchse, die sich ihre Beute auch im Park holen. Leider mussten hier gelegentlich morgens schon traurige Entdeckungen gemacht werden. Die Verantwortlichen sind daher sehr um verschärfte Schutzmaßnahmen bemüht, eine Folge davon ist der extrem verkleinerte Bereich der Flamingos.

Nach dieser geballten Ladung an Informationen freuten sich alle über das leckere Abendessen in der Bahnhofsgaststätte in Bad Cannstatt, zu dem Bezirksrechner Jörg Bauknecht eingeladen hatte.
Dekan Michael Waldmann nutzte die Gelegenheit, die ausgeschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erwähnen und die neu hinzu gekommenen zu begrüßen, außerdem die Jubilare zu beglückwünschen.

 

Elvira Jaiser und Gerda Armbruster