Nachdem der Himmel die ganze Woche wolkenverhangen war und es täglich geregnet hat, war es besonders erfreulich, dass sich die Sonne rechtzeitig zum Mitarbeiterausflug der Gesamtkirchengemeinde und des Kirchenbezirks am Nachmittag des Freitag, 11. Juli, gezeigt hat und auch nicht wieder verabschiedete bis zur Heimfahrt.
Nach einer einstündigen Zugfahrt erreichte unsere 22köpfige Reisegruppe die schöne, idyllische, schwäbische Kreisstadt Herrenberg. Nach einer ersten Stärkung in einem italienischen Café am Marktplatz, informierte Dekan Michael Waldmann über Wechsel und Veränderungen in der Mitarbeiterschaft. Pünktlich um 16 Uhr erwartete uns dann Fritz Hanßmann zu einer Stadtführung durch die idyllische Altstadt. Es war spürbar wie verwurzelt er in „seinem“ Herrenberg ist und so konnten wir interessante historische Informationen und gleichzeitig Insiderwissen erfahren. Herr Hanßmann führte uns durch versteckte Winkel und über ausgetretene „Stäffele“ durch die Stadt und ließ uns teilhaben an der Geschichte und Architektur. Besonders beeindruckend sind die imposanten Fachwerkhäuser aus unterschiedlichen Epochen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1635 durch den zweiten großen Stadtbrand fast ganz zerstört. 280 Häuser fielen der Katastrophe zum Opfer. Danach wurde die Altstadt Herrenbergs so aufgebaut, wie sie sich heute noch in einer einheitlichen, geschlossenen Form präsentiert.

Ein besonderer Glücksfall war, dass im Juli die Aktion „Sommerfarben“ in Herrenberg stattfand und genau an unserem Ausflugstag an verschiedenen Spielorten temperamentvolle, ruhige, moderne, ungewöhnliche und internationale Straßenmusik in der einzigartigen Kulisse einer der schönsten Altstädte Baden-Württembergs zu hören war.
Nachdem wir außer Puste ganz oben auf dem Berg an der 1493 erbauten Stiftskirche, der ersten gotischen Hallenkirche Württembergs, ankamen, beruhigte uns Herr Hanßmann mit der Aussage, dass uns auf dem weiteren Weg bis ganz oben in den Glockenturm nur noch einmal genau soviele Stufen erwarten wie vom Marktplatz bis zum Kircheneingang, nicht mehr!
Bereits der Weg über eine mittelalterliche Wendeltreppe im Kirchturm zum Glockenmuseum war ein Abenteuer, was durch die beeindruckende Vielfalt der Glockensammlung aus 12 Jahrhunderten, die die Zahl 30 bereits übersteigt, noch übertroffen wurde. Herr Hanßmann, der engagierter Mitarbeiter der Bauhütte ist, ließ uns einzelne Glocken in Aktion erleben und ließ uns an seinem breiten Wissen über Glockenherstellung und -verwendung teilhaben. Besonders beachtenswert ist die alte Herrenberger Armsünderglocke, eine Zuckerhutglocke aus dem frühen 13. Jahrhundert.
Seit 2012 gibt es ein weiteres Highlight im Turm der Stiftskirche und zwar ganz oben in der „Zwiebel“. Ein herausragend gestimmtes Carillon mit 50 Glocken (b’, c’’- c’’’’’’), das dreimal am Tag ein weltliches oder geistliches Lied automatisch erklingen lässt und zusätzlich die liturgischen Läutezeiten am Morgen, Mittag und Abend mit einer entsprechenden Melodie einleitet und erläutert, wurde bei einem Holländischen Glockengießer in Auftrag gegeben und nach nur einem Jahr Bauzeit auf dem Herrenberger Stiftskirchenturm eingebaut. Dies war nur möglich durch die beachtliche Eigenleistung der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bauhütte, die einen Großteil der Kleinteile im Auftrag der Glockengießerfirma selbst gefertigt haben.
Unsere Organistin Yvonne Denecke durfte das Carillon bedienen und Herr Hanßmann selbst beherrscht das Spiel und bringt die Glocken bei regelmäßigen Konzerten zum Klingen.

Nach einem leckeren Abendessen im luxuriösen „Hotel Hasen“ fuhren wir mit dem Zug fröhlich wieder nach Nürtingen zurück. Die Dekanatssekretärin Gerda Armbruster, die diesen Ausflug wieder perfekt organisiert hatte, wofür wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken, hat sich bereits in Tübingen von uns verabschiedet.
Es lohnt sich immer, am Mitarbeiterausflug teilzunehmen und stärkt die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. Herzlichen Dank für dieses jährliche Angebot!


Elvira Jaiser