Man sieht, was man weiß

Stuttgarter Stadtspaziergang im Rahmen einer diakonischen „Seh-, und Wahrnehmungsschule“
Beim diesjährigen Mitarbeiterausflug am 23. Juli 2017 wurde der Blick der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesamtkirchengemeinde Nürtingen und des Kirchenbezirks geschult. Bei der „eva“ – Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V., konnten die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den Zaun hinausblicken und erfahren, welche diakonischen Hilfen es in Stuttgart für bedürftige Menschen gibt. Was wir aus Nürtingen an Brennpunkten kennen, ist vergleichsweise harmlos – so hat sicher der eine oder andere gedacht, als er am Ende des Rundgangs die Bandbreite der Brennpunkte, aber auch der Hilfen wahrgenommen hat.
Pfarrer Heinz Gerstlauer, Vorstandsvorsitzender der „eva“, hat in seinem Bericht am Anfang in engagierter Art und Weise die Angebote der „eva“ vorgestellt. Um nur einige zu nennen, bietet die „eva“ eine Wärmestube an, wo Wohnungslose die Möglichkeit haben, sich aufzuwärmen, Gemeinschaft zu erleben, Wäsche zu waschen und zu duschen. „Evas Tisch“ bietet die Möglichkeit, eine warme Mittagsmahlzeit für einen geringen Betrag zu bekommen. Die Telefonseelsorge, mit eigens geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird intensiv genutzt. Suchtabhängigen, insbesondere Alkoholsucht-, Esssucht- und Glücksspielabhängigen bietet die „eva“ eine Anlaufstelle. Ebenso finden Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben dort eine offene Tür. Die Gefängnisseelsorge der JVA Stammheim gehört zur „eva“, Schwangerenkonfliktberatung, Aids-Beratung, im Hospitalviertel ist eine besondere Bank zu finden mit der Aufschrift "Bank-Geheimnis", die Bank soll neben ihrer eigentlichen Funktion ein Symbol sein: zum Leben gehören nicht nur Theater, Bildung und Banken, sondern auch die Hilfe für bedürftige Menschen. Und diese Menschen sollen und dürfen im Stadtbild auch sichtbar sein. für diese Bank hat die "eva" die Patenschaft übernommen,….die Liste ist unendlich lang und es ist auch bedrückend, damit konfrontiert zu werden, mit welchen Nöten Menschen täglich zu kämpfen haben.
Damit die Thematik nicht theoretisch blieb, führte uns Pfarrer Gerstlauer an verschiedene Plätze in der Innenstadt, wo diese Nöte greifbar waren. Betroffen und berührt und auch bereichert durch einen neuen Blickwinkel, haben wir diesen besonderen Stadtspaziergang beendet.
Selbstverständlich ist auch bei diesem Mitarbeiterausflug der Austausch und das kulinarische Wohl nicht zu kurz gekommen. Gleich zu Beginn konnten wir Getränke und selbstgebackenen Kuchen im Café Visavis genießen und zum Abschluss waren wir im Restaurant der Markthalle zu einem köstlichen Abendessen eingeladen.
Die Zusammenarbeit im Alltag wird immer wieder bereichert durch solch gemeinsame Erlebnisse. Herzlichen Dank für die Einladung und das Organisieren von Gerda Armbruster!

Elvira Jaiser