Neuenhaus 2015

Kirche in Neuenhaus wurde aufwendig renoviert

Die Kirche "Unsere Liebe Frau" in der Ortsmitte von Aichtal Neuenhaus

Autor: Nürtinger Zeitung - Markus Rabe

Kosten in Höhe von 180 000 Euro sind natürlich eine schwere Bürde, um in der noch jung fusionierten „Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus“ bestehen zu können. Sinnvoll investiert sind sie in jedem Fall. Ein zeitlicher Aufschub der Arbeiten wäre dauerhaft nämlich noch teurer gekommen. Wassereintritt an mehreren statisch wichtigen Punkten machte es den Verantwortlichen schwer, die Schäden an der hölzernen Dachkonstruktion an Chor, Schiff und den darunterliegenden Bauteilen, realistisch und seriös zu kalkulieren.

Nicht alle Mängel konnten auf den ersten Blick erfasst werden. Eine Unsicherheit, die natürlich mit dem Alter des Gebäudes wächst. Es ist nicht irgendein Gebäude, sondern die Kirche „Unsere Liebe Frau“ in Aichtal Neuenhaus, urkundlich erwähnt seit 1343.

Einer Bestandsaufnahme im Frühjahr/Sommer 2014 folgte in diesem Frühjahr ein Baugerüst im Chor, beziehungsweise im Außenbereich bis auf Höhe der Dachanschlüsse, um parallel innen und außen arbeiten zu können. Landesdenkmalamt, Oberkirchenrat, Kirchengemeinde und Stadtverwaltung arbeiteten bei der Baumaßnahme Hand in Hand.

Am Anfang stand eine dendrochronologische Untersuchung, die erstaunliches zu Tage förderte: Hölzer aus der ältesten Bauphase der Neuenhäuser Kirche vom Winter 1341/42 haben sich im Kirchenschiff erhalten und sämtlichen Veränderungen, die im Laufe der Jahrhunderte stattfanden, wurden mit diesem Ur-bestand durchgeführt: Renovierung, Sanierung, Modernisierung, Aufstockung. Keine leichte Aufgabe also für den ausführenden Zimmererbetrieb, Bausünden der Jahrhunderte, Wasserschäden und Statikprobleme fachgerecht zu beheben und handwerklich korrekt an den Altbestand anzupassen.

Die qualitative Ausarbeitung der schadhaften Hölzer musste natürlich getreu dem angetroffenen Zustand erfolgen: verblattet und nicht verzapft, Holznägel und keine solchen aus Eisen finden Verwendung. So, wie ehedem Schiff- und Chordach gezimmert wurden, so soll es anno 2015 wieder auf den aktuellen Stand gebracht werden. Nicht minder anspruchsvoll die Arbeit der Restauratoren, die sich den Bemalungen im Chor und in der Sakristei widmeten.

Die heutigen Bemalungen in Chor und Sakristei wurden bei der Renovierung 1960/62 freigelegt und entstammen einer Verschönerungsmaßnahme, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts stattgefunden hat. Einer Zeit, in der die Reformation wohl gefestigt, aber noch keinesfalls so sicher stand, als dass man davon ausgehen konnte, dass sie schadlos die Stürme der Jahrhunderte überstehen kann.

Entsprechend der Schadstellen lassen sich im Kreuzrippengewölbe des Chores von 1480 sämtliche Farbschichten bis hin zur Gegenwart nachvollziehen: Erdpigmente aus der Spätgotik (unter anderem Gelber Ocker, Grünerde, Umbra gebrannt) in mehreren Helligkeitsstufen reihen sich nach mineralischen Pigmenten, die vor allem ab dem 19. Jahrhundert chemisch-industriell hergestellt werden konnten. Der ganze Chor erstrahlte so einst in einer aufgehellten Variante. Die Aufgabe des Restauratorenteams bestand insgesamt darin, die Farbgebung von 1960/62 instandzusetzen, Risse zu schließen, Hohlstellen zu hinterfüllen, Verschmutzungen „abzuradieren“, Schimmelpilz zu entfernen, Putzergänzungen durchzuführen, Malschichten reinigen, festigen, retuschieren und letztendlich alles zu dokumentieren.

Am morgigen Sonntag findet zum Abschluss der Renovierungsphase um 10 Uhr ein Festgottesdienst statt, zu dem alle interessierten Bürger herzlich eingeladen sind, das Geleistete in Augenschein zu nehmen.

  1. Ein angesetzter Sparren aus Tannenholz im Kirchenschiff
  2. Das architektonische Highlight ist das Kreuzrippengewölbe der Chordecke von 1480.
  3. Ausgewechselte, schadhafte Holzstücke auf der Kirchenbühne
  4. Die mechanisch überarbeitete, auf alt getrimmte Farbgebung an der fertig renovierten Steinrippe am Übergang zum Schlussstein.
  5. Eine Machtdemonstration im Hause Gottes: Das Wappen des Hauses Württemberg ist fertig restauriert.
  6. Spinnweben, Schmutz und tiefe Risse prägen die Ausgangssituation des Segensspruches vom Ende des 16. Jahrhunderts.