20.11.17

Kirche kürzt Pfarrstellen im Bezirk

Pfarrplan 2024: Einschnitte für evangelische Gemeinden im Kirchenbezirk Nürtingen

Autor: Matthias Rathmann

Nur noch 26,25 statt 30 Pfarrstellen im Kirchenbezirk Nürtingen – Dekan Michael Waldmann berichtet von der Bezirkssynode.

Auf die evangelischen Gemeinden im Kirchenbezirk Nürtingen kommen erhebliche Einschnitte zu. Die 28 Gemeinden mit zusammen rund 50 000 Gemeindegliedern müssen in den nächsten Jahren 3,75 Pfarrstellen einsparen. Insgesamt soll die Zahl der Pfarrstellen bis zum Jahr 2024 damit von aktuell 30 auf 26,25 sinken. Das sieht der Pfarrplan 2024 der Landeskirche vor.

Wie stark sich der Personalabbau auf welche Gemeinde auswirkt, hat ein Pfarrplan-Sonderausschuss in vier Sitzungen erarbeitet. Zugrunde legte er Kriterien wie die Zahl der Gemeindeglieder, den Aufwand der jeweiligen Pfarrer für Gottesdienste, Seelsorge und Bildung oder schon in den Vorjahren erfolgte Kürzungen.

Dekan Michael Waldmann stellte die Empfehlungen am Freitagabend der Bezirkssynode im Neuffener Gemeindehaus vor. Im Oktober hatte er Vertreter der Kirchengemeinderäte in den vier Distrikten Nürtingen, Aich-Erms-Neckartal, Unterer Neckar und Neuffener Tal bereits über die Pläne informiert. „Der Pfarrplan 2024 stellt eine große Herausforderung für die Kirchengemeinden und weitere Belastungen für alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter dar“, räumte Waldmann ein.

„Eine Nuss, die man knacken kann“
Michael Waldmann, Dekan

Zugleich zeigte sich der Dekan überzeugt: „Wir kriegen das hin.“ Die finanziellen Voraussetzungen seien gut und die Menschen im Raum Nürtingen engagierten sich mit Herzblut für das Evangelium. „Demgegenüber ist der Pfarrplan 2024 eine Nuss, die man knacken kann.“ Trotzdem sei es für die betroffenen Gemeinden schwer, damit zurechtzukommen, betonte Pfarrer Karlheinz Graf aus Zizishausen. „Es löst Trauer und Wut in einem aus“, sagte er und wies auf die Kürzung in seiner eigenen Gemeinde hin: In Zizishausen soll die Pfarrstelle auf 50 Prozent halbiert werden, ebenso in Raidwangen. In Wolfschlugen zwei und Neuffen-West fallen die bisherigen 50-Prozent-Stellen komplett weg.

In Reudern steht eine Kürzung von 100 auf 75 Prozent ins Haus und in Wendlingen-Ost wird gar eine 100-Prozent-Stelle Opfer des Rotstifts. Auch bei der Lutherkirche Nürtingen wird die bisherige ganze Stelle auf die Hälfte gekürzt, im Gegenzug wird ihr eine halbe Stelle der Krankenhausseelsorge angegliedert. Macht zusammen 3,75 Stellen.

Und auch nach 2024 müssen sich die Gemeinden auf weiteren Personalabbau einstellen – bis 2030 werden laut Waldmann nur noch 22 Pfarrstellen im Bezirk Nürtingen verbleiben. Als Gründe für die Sparmaßnahmen führt der Dekan rückläufige Gemeindegliederzahlen und in der Folge sinkende Einnahmen an. Auch fehle die erforderliche Menge an Pfarrern.

Um die Kürzungen aufzufangen, rät Dekan Waldmann dazu, Kooperationsräume mit anderen Gemeinden zu suchen. „Ein ,Weiter so‘ kann es nicht geben“, betonte er. Nicht umsonst stehe der Pfarrplan 2024 unter der Überschrift „Zusammenwachsen“. Ausdrücklich fordert Waldmann die Gemeinden dazu auf, neue Geschäftsordnungen zu erstellen, in denen festgehalten wird, wie etwa gemeinsame Gottesdienste, Religions- oder Konfirmandenunterricht organisiert werden können. Wer sich mit welcher Gemeinde zusammentun soll, sei es als Fusion oder Verbundkirchengemeinde, geht ebenfalls aus den Vorschlägen des Pfarrplan-Sonderausschusses hervor: Aich-Neuenhaus mit Grötzingen, Neckartailfingen mit Altdorf, Schlaitdorf mit Altenriet, Oberboihingen mit Reudern, Neuffen mit Kohlberg, Frickenhausen mit Linsenhofen und Tischardt, Neckarhausen mit Raidwangen und Zizishausen mit der Stadtkirche. Hier zeichnet sich jedoch ab, dass sich Zizishausen eher Oberensingen-Hardt zuwenden wird.

Und auch die Gemeinden der Gesamtkirchengemeinde Nürtingen sollen stärker zusammenrücken. Jede Gemeinde ist aufgefordert, bis Jahresende eine Stellungnahme zu den Plänen an das Dekanat zu schicken, die von Kürzungen betroffenen Gemeinden sind dazu sogar verpflichtet. Bei der Bezirkssynode am 16. März soll der Pfarrplan 2024 beschlossen werden. Die Umsetzung ist sukzessive ab dem 1. Januar 2019 geplant.

In den betroffenen Gemeinden haben die Kürzungspläne Wirbel ausgelöst und sorgen für Diskussionsstoff. Die Gemeinde Raidwangen lädt deshalb am Dienstag, 28. November, um 19.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in ihr Gemeindehaus ein.