Bald rücken die Abrissbagger an

Am Samstag, 12. Mai wird im Martin-Luther-Hof eine Abrissparty mit Flohmarkt und Musik gefeiert. Foto: Lieb

Das alte Pfarrhaus und Gemeinderäume der Lutherkirche weichen einem Neubau der Stiftung Tragwerk – Abrissparty am 12. Mai

Nürtinger Zeitung - Anneliese Lieb


Kahl sieht er aus, der Garten der Lutherkirche. Bäume wurden gefällt und ab Mitte Mai müssen auch das alte Pfarrhaus und ein Teil der Gemeinderäume weichen. Es wird ein Neuanfang für die Lutherkirche. Die Stiftung Tragwerk erstellt dort einen Neubau für Büros und eine Kita. Der Kirchenraum und der Gemeindesaal bleiben. Sie werden mit dem Neubau verbunden.

„Wir freuen uns auf das, was hier neu entsteht“ sind sich Pfarrerin Barbara Brückner-Walter und Ulrike Kudlich, die Erste Vorsitzende des Kirchengemeinderats einig. „Mit dem Projekt Martin-Luther-Hof gemeinsam“ öffnen wir uns und werden einige Räumlichkeiten auch gemeinsam mit der Stiftung Tragwerk nutzen“.

Am Sonntag fand der vorläufig letzte Gottesdienst mit Abendmahl in der Lutherkirche statt. Die Konfirmation wird in diesem Jahr der Stadtkirche gefeiert und ab Juni ist die Lutherkirchengemeinde bei der Evangelisch-methodistischen Kirche zu Gast. Auf drei verschiedene Orte wird sich die Gemeindearbeit in den nächsten eineinhalb Jahren verteilen, bis zur Fertigstellung der neuen Gebäude 2019. „Wir leben in der Utopie – Gott hat keine Residenzpflicht“ war das Predigtthema von Barbara Brückner-Walter am Sonntag. Die Pfarrerin ist seit 2003 an der Lutherkirche und freut sich auf den Neuanfang. Aus dem alten Pfarrhaus ist Familie Brückner-Walter schon vor zwei jahren ausgezogen. Übergangsweise hat die Stadt das Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt.

Derzeit sind Ulrike Kudlich und weitere Mitglieder der Kirchengemeinde damit beschäftigt, das Gebäude für den Abbruch auszuräumen. „In den Regalen und Schränken haben sich über Jahrzehnte Dinge angesammelt, die niemand wegwerfen wollte“, hat Ulrike Kudlich festgestellt. Die Lutherkirche wurde 1972 eingeweiht. Ulrike Kudlich hat Kinderschürzen mit dem Aufdruck Lutherkirche gefunden, einen alten Plattenspieler oder Originaldrucke vom Künstler, der den Altar gestaltet hat. All diese besonderen „Schätze“ werden bei der Abrissparty am 12. Mai, ab 16 Uhr, die unter dem Motto „Abbruch und Aufbruch“ steht, bei einem Flohmarkt verkauft. Kinder und Jugendliche dürfen die Abbruchgebäude mit Sprühaktionen oder Fingerfarben verschönern. „Auch für das leibliche Wohl der Besucher wird gesorgt und Musik wird es auch geben“, laden Barbara Brückner-Walter und Ulrike Kudlich bereits heute zum letzten Fest im alten Lutherhof ein.

Neue Küche für die Vesperkirche und andere Veranstaltungen


Nach dem 12. Mai werden dann die Abrissbagger anrücken. Stehen bleibt nur der Kirchenraum und der Gemeindesaal. Das alte Pfarrhaus und die Gemeinderäume rechts vom Kirchenraum müssen dem Neubau weichen. „Was die Architekten geplant haben, sieht verheißungsvoll aus“, sagt Barbara Brückner-Walter. Der Lutherkirchenraum erhält neue Fenster, eine neue Heizung, das Flachdach wird saniert und die Elektroinstallation erneuert. Auch die Trennwand zwischen Kirchenraum und Saal wird neu gemacht. „Eine neue moderne Küche wird direkt neben dem Saal gebaut“, freut sich Barbara Brückner-Walter auch im Hinblick auf die Vesperkirche, die im nächsten Jahr vorübergehend ins Roßdorf umzieht und dann wieder in die Lutherkirche zurückkehrt. „Man kann sich gut vorstellen, dass so eine neue Küche nicht nur für die Durchführung der Vesperkirche, sondern auch für viele andere Veranstaltungen im Martin-Luther-Hof eine riesengroße Verbesserung sein wird.“

Der künftige Eingangsbereich mit dem Foyer wird von der Kirchengemeinde und der Stiftung Tragwerk genutzt. Anstelle der Gemeinderäume und des alten Pfarrhauses entsteht ein Winkelbau mit Kinderbetreuungseinrichtungen im Erdgeschoss und Büros für die Jugendhilfeeinrichtungen im Obergeschoss. In der Kindertagesstätte gibt es drei Kindergartengruppen für über Dreijährige und eine Gruppe für Kleinkinder unter drei Jahren. Die im Neubau der Stiftung Tragwerk liegenden Besprechungsräume sollen von allen Beteiligten gemeinsam genutzt werden. Gleiches gilt auch für die sanitären Anlagen mit Behinderten-WC. Im Gegenzug können sowohl die Stiftung Tragwerk als auch die Kindertagesstätte den Saal beziehungsweise Mehrzweckraum, die neue Küche und den Kirchenraum der Lutherkirchengemeinde nutzen. Auch im Untergeschoss wird eine gemeinsame Nutzung von Abstellmöglichkeiten und Lagerraum angestrebt. Ein gemeinsamer Aufzug im Trakt der Stiftung Tragwerk wird das Gebäude barrierefrei erschließen. Auch die Außenanlagen sollen gemeinsam genutzt werden. „Es wird eine generationenübergreifende Einrichtung“ sagt Barbara Brückner-Walter „mit synergetischen Effekten“.