"Wir haben Geschwister im Glauben"

Eine Delegation der Luwu-Kirche von der indonesischen Insel Südsulawesi ist zu Gast im evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen

Deutsch-indonesischer Gedankenaustausch. Von links: Dieter Oehler, Georg Stephan und Retno Gröppel vom Nürtinger Arbeitskreis Pro Indonesia sowie Hastuti, Daisy, Ruth, Petriyanti, Yan Pali (Pfarrer und Sekretär der Synode der Luwu-Kirche), Dekan Michael Waldmann, Luwu- Kirchenpräsident Lambang, Albert und Yurnalius. jg

Nürtinger Zeitung - Jürgen Gerrmann


Als christliche Minderheit im Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Erde zu leben – das ist nicht einfach: 23 zu 200 Millionen lautet das Verhältnis in Indonesien. Was das bedeutet – unter anderem das kann man zurzeit beim Besuch einer Delegation der Luwu-Kirche von der Insel Südsulawesi im Kirchenbezirk Nürtingen erfahren.

Die achtköpfige Gruppe ist bunt gemischt: Lambang ist Kirchenpräsident, Albert, Yurnalius und Hastuti sind Lehrer, Ruth ist Ortsvorsteherin, Yan Pali Pfarrer und Sekretär der Synode, Petriyanti Sonntagsschulleiterin und Daisy Erzieherin.

Vor acht Jahren war die außergewöhnliche Partnerschaft geschlossen worden, nun ist zum zweiten Mal eine Gruppe aus dem 17 508-Inseln-Staat zwischen Indischem Ozean und Pazifik zu Gast am Neckar. Vor zwei Jahren besuchte eine Gruppe aus dem Schwabenland Südsulawesi, nun ist also der Gegenbesuch dran.

Die aktuelle Lage für die Christen im Partnerbezirk schildert Kirchenpräsident Lambang im Gespräch mit unserer Zeitung so: „Unsere größte Herausforderung und unser großes Ziel ist, unsere Religion in Frieden leben zu können.“ Die Behinderungen auf dem Weg dorthin seien indes in den vergangenen Jahren nicht geringer geworden.

Radikale Muslime wollten (angeheizt von den Berichten über den IS und weltweiten Terroranschlägen im Internet) den Graben sogar noch weiter vertiefen: „Das erfüllt uns mit Angst und Sorge.“ Die Stadt Poso in der Mitte Sulawesis sei eine Hochburg radikaler Muslime.

„Diese Partnerschaft erweitert unseren Horizont“
Lambang, Präsident der Luwu-Kirche

Dennoch sei es nicht so, „dass wir nur beten – wir praktizieren weiter unseren Glauben im Alltag und leben Nächstenliebe, so wie es uns der Herr gelehrt hat“. Schwerpunkt sei die Arbeit mit jungen Leuten: „Sie sind die Zukunft unserer Kirche.“

Gleichzeitig sei es aber auch das Bestreben der Luwu-Kirche, im Alltag Kontakte zu anderen Religionsgruppen zu pflegen. Und wie geschieht das in der Praxis? „Zum Beispiel bei unserem Projekt Bio-Gemüseanbau. Da verschenken wir das Saatgut auch an muslimische Familien.“

Unsere Leser können sich auch als Friedensbotschafter fühlen


Und dank der Spenden unserer Leser über die Aktion „Licht der Hoffnung“ (bei der 23. Auflage der guten Sache konnten 18 000 Euro nach Indonesien geschickt werden) besuchten nun auch viele muslimische, aber auch buddhistische und hinduistische Kinder die Kindergärten der Luwu-Kirche, die unter anderem mit vielen tollen Spielgeräten ausgestattet werden konnten. Und so können sich unsere Leser durchaus auch als Friedensbotschafter fühlen.

Ein weiteres positives Beispiel erzählt Ruth aus ihrem abgelegenen Dorf. Da werde gerade die Kirche renoviert – und Muslime packten mit an.

„Das klingt alles sehr gut und harmonisch“, ergänzt Yan Pali: Aber vor Kurzem sei der Gouverneur der Hauptstadt Djakarta abgesetzt worden, weil er Christ sei. Wenn diese Richtung stärker werde, dann habe man große Sorge: „Wir sehen es als unsere große Aufgabe zu zeigen, dass wir Indonesier ein Volk sind, auch wenn wir Christen sind.“ Und der Weg zu diesem Ziel sei die Nächstenliebe.

Kirchenpräsident Lambang freut sich derweil darüber, dass auch in Südsulawesi das Reformationsjubiläum gefeiert wird: „Wir sind dankbar, dass wir auch als kleine Landeskirche das mitgestalten dürfen.“ Und auch darüber, drei Wochen bei Freunden in Nürtingen sein zu können: „Diese Partnerschaft erweitert unseren Horizont, und die vielen Eindrücke bereichern uns. Wir wissen, dass wir nicht allein sind, sondern Geschwister im Glauben haben – auch wenn sie weit weg sind. Trotz der Verschiedenheit der Kulturen unserer Länder haben wir einen Herrn, der uns spüren lässt, dass wir zusammengehören.“

„Wir sind froh, dass die Menschen in Indonesien unsere Sorgen mit in ihr Gebet nehmen“
Michael Waldmann, Dekan, Nürtingen

Nürtingens Dekan Michael Waldmann ist der Austausch der ganz unterschiedlichen Erfahrungen ebenfalls sehr wichtig: „Auch unsere Gäste aus Indonesien sollen hören, was wir für Herausforderungen und Sorgen haben. Und dass wir froh sind, dass wir mit Menschen in einem ganz anderen Winkel der Welt verbunden sind und die auch unsere Sorgen mit in ihr Gebet nehmen.“