Etliche Pfarrstellen fallen weg

Keine himmlischen Aussichten für die evangelischen Kirchgemeinden im Bezirk Nürtingen. Fehlende Pfarrer stellen die Kirche vor größere Herausforderungen. An der Bezirkssynode stellten die Mitglieder die Weichen für den Pfarrplan 2024. Die Begeisterung für den Pfarrplan 2024 hielt sich an der Bezirkssynode in Unterensingen in Grenzen. Foto: Krytzner

Personalmangel sorgt für Kürzungen im evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen – Kirche plant für die Zeit bis 2024

Nürtinger Zeitung -  Thomas Krytzner


Keine himmlischen Aussichten für die evangelischen Kirchgemeinden im Bezirk Nürtingen. Fehlende Pfarrer stellen die Kirche vor größere Herausforderungen. An der Bezirkssynode stellten die Mitglieder die Weichen für den Pfarrplan 2024.

UNTERENSINGEN. Dekan Michael Waldmann, der gemeinsam mit Dieter Oehler der Bezirkssynode Nürtingen vorsitzt, machte deutlich: „Wenn in ein paar Jahren 100 Pfarrer in den Ruhestand gehen, folgen nur 45 nach.“ Grund dafür sei das schwindende Interesse an theologischen Berufen.

Gab es vor einigen Jahren noch zu wenig Stellen für die angehenden Geistlichen, dreht sich das Verhältnis in naher Zukunft um. „Die Stellen können nicht mehr besetzt werden.“ Dies betreffe aber nicht nur Nürtingen und Umgebung, sondern sei ein Problem in ganz Baden-Württemberg. Die evangelische Landeskirche will dem drohenden Personalmangel entgegenwirken und hat bei den Kirchgemeinden Pfarrpläne eingefordert.

Für den Kirchenbezirk Nürtingen wurde die Leitlinie an der Bezirkssynode im evangelischen Gemeindehaus in Unterensingen nach einem Jahr der Diskussionen zur Abstimmung gebracht. Mit vier Nein-Stimmen und vier Enthaltungen bissen die einzelnen Kirchgemeinden in den sauren Apfel und leiteten damit das Zusammenrücken der fast 30 Pfarreien im Bezirk ein.

Der beschlossene Pfarrplan 2024 sieht Reduzierungen von Pfarrstellen und Veränderungen in der Zuweisung des Religionsunterrichtes vor. Fast alle Kirchgemeinden sind dabei betroffen. In Nürtingen wird die Pfarrstelle Lutherkirche um 50 Prozent gekürzt. Sie bekommt dafür die Krankenhausseelsorge, die ebenfalls um die Hälfte reduziert wird. Vor der Angliederung der Seelsorge im Krankenhaus übernimmt die Pfarrstelle Versöhnungskirche die Geschäftsführung und hat damit einen regelmäßigen Predigtauftrag und einen Seelsorgebezirk in der Lutherkirche.

In Neuffen wird die Pfarrstelle West komplett aufgehoben. Auch in Raidwangen sieht die Leitlinie Kürzungen vor: Dort übernimmt die Pfarrstelle Neckarhausen die Geschäftsführung, 50 Prozent fallen weg. Für den Nürtinger Ortsteil Reudern gibt es eine Kürzung um 25 Prozent bei der Pfarrstelle und in Wendlingen wird die Teilstelle Ost aufgehoben. Weiter entfällt bis 2024 in Wolfschlugen die zweite Pfarrstelle, dies bedeutet eine Reduzierung um 50 Prozent. Für Zizishausen sieht der Masterplan vor, dass die Pfarrstelle Oberensingen-Hardt die Geschäftsführung in Zizishausen übernimmt. Eine weitere Stellenkürzung um 50 Prozent.

Auch beim Religionsunterricht sind die einzelnen Kirchgemeinden gefordert. Der beschlossene Pfarrplan tritt im Januar 2019 in Kraft und muss bis zum Ende des Jahres 2024 umgesetzt sein. Das heißt, eine vom Pfarrplan 2024 betroffene Pfarrstelle, die nach dem 1. Januar 2019 besetzt wird, wird nach der neuen Leitlinie besetzt. Dies gilt auch für die Planung des Religionsunterrichtes in den einzelnen Kirchengemeinden. Damit soll, wie Dekan Michael Waldmann erläuterte, die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden initiiert und gestärkt werden.

In Arbeitsgruppen sollen neue Geschäftsordnungen, die Erleichterung der Verwaltung sowie Strukturveränderungen beraten und vorangetrieben werden. Waldmann dazu: „So wie bisher dürfen wir nicht weitermachen.“

Prälatin Gabriele Arnold von der Landeskirche in Württemberg sieht nicht nur die fehlenden Geistlichen in der Kirche mit Sorgen, sondern auch die schwindenden Gemeindemitglieder. „Der demografische Wandel macht sich auch in der evangelischen Kirche bemerkbar.“ Sie hält aber nichts von Jammen und Klagen. „Das ist keine geistliche Haltung.“

„Christentum ist nicht mehr der Horizont der Menschen“

Die Probleme seien anzugehen, forderte die Prälatin, denn der Einfluss des Christentums hat in Deutschland an Bedeutung verloren. Arnold stellte fest: „Wir sind eine öffentliche Religion, wir sind gefragt.“ Damit sprach sie die Verbundenheit der Seelsorger und Pfarrer in den Kirchgemeinden an. Nach wie vor seien Pfarrer als Zuhörer in kritischen Situationen gefragt oder bei Gedenkgottesdiensten.

Die Vertreterin der Landeskirche schlug an der Bezirkssynode vor: „Wir müssen die kirchlichen Präsenzen in Kindergärten und Schulen erhalten und ausweiten.“ So erreiche man die Kinder und Jugendlichen und damit könne die christliche Nächstenliebe eingepflanzt werden. Gabriele Arnold stellte auch die bisher geltende Gottesdienstordnung in Frage. „Wer sagt denn, dass der Gottesdienst immer am Sonntag um 10 Uhr stattfinden soll?“ Auch hier müsse man sich an den Interessen aller anpassen. „Wir können nicht erwarten, dass junge Menschen in die Gottesdienste am Sonntagmorgen kommen.“

In einer raschen Bündelung der einzelnen Kirchengemeinden sieht Arnold den Erfolg. „Es braucht regionalisierte Gottesdienste für ein größeres Gebiet.“ Allerdings sollen Lösungen her, die die Kirchengemeinden nicht atemlos machen.

Sie forderte die Kirchengemeindevertreter auf, mutig zu sein und Fakten zu schaffen. Auch motivierte sie die Pfarrer, viel mehr zu delegieren. „Ehrenamtliche Kirchendiener sollen mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Gottesdienste bekommen. Es muss nicht alles über den Schreibtisch des Pfarrers laufen.“