„Denn der Herr ist groß“

Konzert des Kirchenchors Frickenhausen/Tischardt am Sonntag in der evangelischen Kirche

© Ev. Kirchengemeinde Frickenhausen

Sänger und Instrumentalisten ergänzten sich in hervorragender Weise.

Unter dem Titel „Cantate Domino“ stand das Konzert des Kirchenchors Frickenhausen/Tischardt am vergangenen Sonntag in der evangelischen Kirche in Frickenhausen.

Bei diesem Konzert kamen sowohl die Freunde instrumentaler als auch vokaler Musik auf ihre Kosten. War es die Sonata von Telemann, die zum Auftakt des Konzertes erklang oder die Sinfonia, die das geistliche Konzert „Cantate Domino“ einleitete, die das Herz eines Streichquartett-Fans höher schlagen ließ? Auch der Streichersatz „Palladio“ von Karl Jenkins war mit seinem gänzlich anderen Stil ein echter Hörgenuss, den das Ensemble Clara Wolters und Stefanie Aißlinger (Violine), Luisa Glaser (Viola), Michael Wolters (Violoncello) und Marc Simon (Cembalo) darboten.

Um dem Untertitel „ . . . im 500. Jahr der Reformation“ und auch der Aufforderung „Kantate! Singet!“ gerecht zu werden, wäre es schön gewesen, auch die Zuhörergemeinde in einen Lobgesang einstimmen zu lassen. War doch das Gemeindelied eine der großen Neuerungen, die Martin Luther in die Gottesdienstliturgie einbrachte. Die Gemeinde sollte aktiv am Gottesdienst beteiligt werden.

Lieder verleihen der Klage, der Hoffnung und der Freude Ausdruck

Pfarrer Wilfried Scheuer wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, dass eine christliche Gemeinde ohne Lieder nicht denkbar sei. Lieder seien wichtig, weil sie der Klage, der Hoffnung und der Freude Ausdruck verleihen. Das Liederbuch der Juden, der Psalter, zeigte schon Jahrtausende zuvor den Weg.

Die Mitglieder des Kirchenchores folgen der Aufforderung „Singet“ nicht nur am 4. Sonntag nach Ostern, der den Namen „Kantate“ trägt. Sie realisieren das „Singet dem Herrn ein neues Lied“ das ganze Jahr über. Dabei verlieren die alten Lieder und Stücke nichts von ihrer Strahlkraft, wenn auch neue Kompositionen wie die gegen Ende des Konzerts erklingenden Sätze von Karl Jenkins sich zuweilen größerer Beliebtheit erfreuen. Zuerst erklang nun ein Werk des Altmeisters Georg Philipp Telemann, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 250. Mal jährt, nämlich die Kantate „Singet dem Herrn ein neues Lied“ für Chor und Instrumente mit Textteilen aus Psalm 96. In den Chorsätzen, die Anfang, Mitte und Ende des Werkes markierten, zeigten die Sängerinnen und Sänger, wozu sie fähig sind. Die schwierigen Passagen mit ihren Sechzehntelläufen meisterten sie in erstaunlicher Weise. Man ahnt, wie viel Arbeit und geduldiges Insistieren des Dirigenten hier vorbereitend gewaltet haben mochten. Das Rezitativ „Erzählt unter den Heiden von seiner Herrlichkeit“ und die Arie „Denn der Herr ist groß“ wurden vom Dirigenten Florian Aißlinger selbst gesungen. Claudia Burkhardt sang die Altarie „Ihr Völker bringet her dem Herrn Ehre und Stärke“, und bei dem folgenden Duetto stimmte Clarissa Burkhardt (Sopran) in den Lobgesang ein.

Johann Sebastian Bach stand zu Lebzeiten etwas im Schatten Telemanns und anderer zeitgenössischen Komponisten, die leichter eingängige Musik schrieben als er. Es war deshalb gut, dass hier ein Orgelstück, Bachs Choralbearbeitung zu „Wir glauben all an einen Gott“, von Marc Simon gespielt, ins Programm aufgenommen wurde.

Ein gewisser Höhepunkt des Programms war die Choralmotette von Telemann über Luthers bekanntestes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Die polyphon komponierten ersten beiden Strophen forderten von den Sängern erneut vollen Einsatz, um die schwierigen Melodieführungen zu meistern. Eine Chorstimme gab die jeweilige Textzeile unter mehrfacher Wiederholung an die folgende weiter, sodass ein kunstvolles Stimmgewebe entstand. Der Bass stimmte dabei ein, den Luthertext interpretierend und ständig wiederholend mit „Gottes Wort, Christi Lehr vergehet nun und nimmermehr!“. In der zweiten Strophe „Mit unsrer Macht ist nichts getan“ übernahmen jetzt die anderen Stimmen den Text der Bassstimme, wobei diese nun in langgezogenen Tönen den Text dieser Strophe vor den Zuhörern ausbreitete.

Einen Gegensatz zu dieser kunstvollen Verwobenheit bildeten die letzten beiden Strophen in ihrer homophonen Stimmführung. „Und wenn die Welt voll Teufel wär“, ja, da heißt es Ruhe bewahren und homophon zusammenzustehen. Auch „Das Wort sie sollen lassen stahn“ wurde durch homophone Standhaftigkeit verdeutlicht. Der Entschluss des Dirigenten, den Anfangschor am Ende zu wiederholen, gab dem Werk eine besondere Geschlossenheit. Instrumental wurde der Chor dabei von den Continuospielern Simon und Wolters ergänzt.

Beendet wurde das Programm mit den sehr eingängigen Gesängen des walisischen Komponisten Karl Jenkins: „Laudate Domino“, begleitet von der Orgel, und „Cantate Domino“, begleitet von Orgel und Streichern.