Musikalisch auf die Karwoche eingestimmt

Chor, Streichmusik und Solostimmen begeisterten abwechselnd in der Eusebiuskirche mit der Johannespassion. Foto: kry

Die evangelische Kirchenmusik brilliert in der Eusebiuskirche mit der Johannespassion

Nürtinger Zeitung - Thomas Krytzner

 

WENDLINGEN. Es gab noch einige freie Plätze in der Wendlinger Eusebiuskirche, als am Sonntag die evangelische Kirchenmusik die Johannespassion von Johann Sebastian Bach eröffnete. Unter der Leitung von Urs Bicheler harmonisierten die Kantorei und das Streicherensemble Camerata Grinio mit Konzertmeister Joachim Ulbrich. Bei den Solostimmen glänzten Gundula Peyerl, Sopran und Kathrin Koch, Alt, mit ihren Arien. Christian Wilms, Tenor, Ulrich Wand, Bass und Mikhail Shashkov ergänzten die Einzelstimmen hervorragend.

Abwechselnd oder im harmonischen Zusammenspiel erzählten die Musiker vom Leiden und dem Tod Jesu Christi. Im ersten Teil ging es um den Verrat durch seinen Jünger Judas und die Gefangennahme des Sohns Gottes. Für das Publikum waren die Klänge auf den verschiedenen Streichinstrumenten genauso bewegend wie die Soloauftritte und der Chor. Mit der Forderung der Verurteilung zum Tode durch das aufgehetzte Volk führten die Musiker in den zweiten Teil der Passion über. Es folgten die Verspottung durch die Kriegsknechte und die Forderung der Meute, dass Jesus gekreuzigt werden soll.

Mit bewegenden Arien, die sich mit dem Chor der Kantorei abwechselten und musikalisch verbanden, wurden der Kreuzgang und die Kreuzigung auf dem Berg Golgatha begleitet. Die Passion gipfelte mit den Worten: „Es ist vollbracht.“ Jesus legte sein Leben in Gottes Hand und starb am Kreuz. Es war ein erhabener Moment in der Eusebiuskirche, vor allem als der Evangelist Christian Wilms singend verkündete, dass mit dem Tod die Erde bebte und der Vorhang im Tempel in zwei Stücke zerrissen wurde. Das Begräbnis Jesu Christi beendete die Passion mit einem Choral. Die Besucher zeigten sich tief bewegt ob des Erlebten und waren von der musikalischen Leistung der evangelischen Kirchenmusik begeistert.

Die Johannespassion gehört zu den wenigen authentischen Erzählungen aus dem Evangelium. Johann Sebastian Bach ergänzte den Bericht nach Johannes durch Choräle und frei hinzugedichteten Texten. Dadurch wird die Erzählung zu einem Werk für einen vierstimmigen Chor, Gesangssolisten und Orchester.

Rund zwei Stunden dauert die Aufführung der Passion. Heute wird sie meist als Konzertmusik aufgeführt, hat ihren ursprünglichen Platz aber im Gottesdienst. In der christlichen Theologie hat die Passionsgeschichte eine zentrale Bedeutung. Früher wurde sie oft mit verschiedenen Rollen vorgelesen. Bereits im 17. Jahrhundert gab es erste vollständige Vertonungen, die meist dem Bibeltext treu blieben. Bach hat sein Werk in zwei Teile gegliedert und fasste die fünf Akte der theologischen Gliederung zusammen. Im kürzeren ersten Teil beschreibt er den Verrat, die Gefangennahme und die Verleugnung durch Petrus. Der zweite Teil ist länger und erzählt von den Verhören und der Verurteilung durch Pontius Pilatus. Es folgen die Kreuzigung, der Tod des Sohn Gottes sowie sein Begräbnis.