Advent, eine Zeit, Türen zu öffnen.
Türen faszinieren mich. Sie sind Orte, an denen ich ins Gespräch komme und Neues erfahre; an ihnen werde ich abgewiesen oder empfangen, freundlich begrüßt oder weitergeschickt. Sie stehen für Grenzen, Herausforderungen, Möglichkeiten, Willkommen und Abschiede.  
Türen gehören zu unserem Alltag und sind etwas Selbstverständliches. Ich lade Sie ein, aus dem Selbstverständlichen etwas Besonderes zu machen.
Überschreiten Sie die nächsten Tage und Wochen Türschwellen bewusster. Sie sind Schwellen zwischen ihrer privaten Welt und der Welt da draußen. Schwellen zwischen Ihnen und Ihren Mitmenschen. Schwellen zwischen Ihrer Person und Gott.
Advent, eine Zeit,  Türen zu öffnen.
Schwierig ist es, Türen öffnen zu wollen, die uns verschlossen sind. Das gilt für Haustüren, die ins Schloss gefallen sind, und erst recht für die Türen des Lebens. Wenn ich davor stehe, kein Schloss sehe oder keinen passenden Schlüssel finde. Wenn ich da stehe klopfe, poche, mit Fäusten hämmere und sie öffnet sich doch nicht.
Als Klinikseelsorgerin denke ich an eine kranke Frau, die mir erzählte, dass sie von einem Arzt zum anderen lief, um Hilfe zu erfahren. Um dann schmerzhaft zu erleben, dass sich zwar die Türen der Praxen öffnen, aber nicht die Türe zur Heilung.
Ich denke an die Sehnsucht eines psychisch kranken Mannes, dass sich die Türen zur Nachbarschaft öffnen mögen. Er fühlt so hart: Ich gehöre nicht dazu  in und mit meiner Krankheit.
 Ich denke an Menschen, die so verängstigt und verletzt sind, dass sie sich verschließen in ihrer Ohnmacht, Trauer und in ihrem Schmerz.
 Advent, eine Zeit, Türen zu öffnen.
Die Adventszeit lädt ein, unsere Herzen zu öffnen. Albert Schweizer sagte einmal: „Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir es nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir in Wirklichkeit sind“.
Stellen wir uns jetzt bewusst unseren verschlossenen und geöffneten Türen. Lassen wir uns anfragen in unserem Denken und Handeln in der Gemeinschaft, in dem, was uns ausmacht. Ich lade Sie ein, bewusst auf die Suche zu gehen und Schwellen zu überschreiten. Vielleicht erwartet uns hinter so mancher Türe eine adventliche Begegnung und wir entdecken darin eine Spur Gottes.

Ustja-Elisabeth Clauß,  Kath.Klinikseelsorge medius-KLINIKEN