Herr J. kommt nach Hause

Geistliches Wort für die NZ 
Zum 2. Advent, 9.12.2018 
Eine gefühlte Ewigkeit war Herr J. schon nicht mehr in seiner alten Heimat gewesen. Doch nun war es Zeit, wieder nach Hause zu kommen.
Sorgfältig bereitete Herr J. sein Eintreffen vor. In regelmäßigen Abständen schickte er Nachrichten nach Hause. Seine Leute sollten sich auf sein Eintreffen vorbereiten können – es sollte doch kein Überfall werden und er wollte keinen Falls ungelegen kommen!
Herr J. beschloss, mit dem Zug zu reisen. Der Weg vom Bahnhof zu seinem Haus würde nicht weit sein.
Der Zug rollte mit quietschenden Bremsen langsam in seinen Heimatbahnhof ein. Als Herr J. ausstieg, wunderte er sich, dass niemand ihn abholte. Der Zug fuhr langsam wieder an – und er war der einzige Mensch auf dem leeren Bahnsteig. Langsam und sich sorgfältig umblickend, ging er  Richtung Ausgang. 
Ohne zu zögern, fand er den Weg nach Hause. Vor der Haustür zögerte er allerdings einen Augenblick und entschloss sich dann, zu klingeln. Doch niemand öffnete. „Wahrscheinlich kaputt“ murmelte Herr J. und zog den Schlüssel aus der Tasche. Vorsichtig schloss er auf und betrat das vertraute Haus. Geschäftiger Lärm kam ihm entgegen – und tatsächlich, alle seine Leute waren da! Er ließ seine Reisetasche fallen und breitete seine Arme aus – aber niemand lief ihm entgegen; keiner schien seine Ankunft zu bemerken, ja, sie schauten noch nicht einmal von ihren Beschäftigungen auf! Herr J. ließ seinen Blick schweifen – und da lagen sie: Alle seine Briefe, mit denen er seine Ankunft angekündigt hatte – ungeöffnet. Konnte das wahr sein? So sehr er sich auch bemühte, Herr J. konnte sich nicht bemerkbar machen; ja, seine eigenen Leute schienen sich eher durch ihn gestört zu fühlen! Doch Herr J. ließ sich nicht beirren; behutsam und doch entschlossen ging er von Zimmer zu Zimmer, von Etage zu Etage um den zu finden, der ihn erwartete. Er würde ihn finden – ganz bestimmt!
„Er kam zu seinem Volk, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen.“ Mit diesen nachdenklichen Worten beschreibt der Apostel Johannes in seinem Evangelium den Advent, die Ankunft von Jesus Christus auf Erden; doch er fügt  hinzu: „ All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.“ Auch heute noch.

Pastor Johannes Hilliges
Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde