Aufbrechen ist anstrengend

Ich mag Mandarinen. Weil sie gut schmecken und einfach zu schälen sind. Nüs-se hingegen betrachte ich eher als saisonale Deko. Und wenn man mir noch so oft versichert wie lecker und vor allem gesund Nüsse sein mögen: Ganz oft bin ich einfach zu faul, sie zu knacken und freue mich, wenn andere das für mich tun.
Dadurch sind Nüsse für mich ein Bild für das Leben und das Miteinander mit den Menschen. Aufbrechen ist anstrengend. Nehme ich mir die Zeit, auch harte Nüsse zu knacken? Zeitgenossen, die etwas verschlossen sind, die ich als kom-pliziert erlebe, vielleicht abweisend - bin ich bereit, mich auf sie einzulassen, Zeit und Kraft aufzuwenden, um sie kennenzulernen, einen Zugang zu ihnen, den weichen Kern hinter der harten Schale zu finden?  Oder begnüge ich mich mit den „Mandarinen“, Menschen, die so ticken wie ich, die ich als nicht so an-strengend erlebe, die mir „schmecken“?  
Und umgekehrt, wer kümmert sich dann um mich? Bin ich denn wirklich so un-kompliziert, wie ich es vielleicht meine? Manchmal werde ich mir selbst zur Nuss und frage mich, was ich hinter meiner harten Schale vor den Menschen verberge und warum ich manchmal so kantig und unnahbar auftrete.
Aufbrechen ist anstrengend. Auch im Blick auf eine zweite Bedeutung. Advent und Weihnachten sind Aufbruchszeiten. Unsere katholischen Mitchristen feiern am 6. Januar das Dreikönigsfest. Die drei sind irgendwann einmal viel früher aus ihren unterschiedlichen Ländern aufgebrochen, weil sie einen Stern sahen. Würden wir wegen eines Sternes aufbrechen? Es waren keine Könige. Die wür-den nie aufbrechen. Wozu auch. Auf dem Thron lebt es viel bequemer als im Aufbruch. Es waren Sterndeuter, die Ausschau hielten, Erwartungen hatten. Der Stern signalisierte ihnen, dass es Zeit war aufzubrechen. Warum und wo-hin? Sie wussten es sicher nicht, sondern machten sich voller Vertrauen auf den Weg. Welche Erwartungen lassen uns aufbrechen?
Und noch einer (oder eine?) bricht jetzt auf. Gott selbst. Gott kommt in Jesus Christus zu uns Menschen. In unser ganz persönliches Leben, wie damals in Bethlehem, so auch heute in den Schmuddel- oder Hochglanzstall unseres All-tags. Dafür ist sich Gott nicht zu schade, denn er will uns mit seiner Nähe be-schenken. Was Gott kann, können wir doch auch? Zueinander aufbrechen, die harte Schale überwinden, Nähe riskieren, Liebe und Freude teilen, Trost spen-den und den wahren Kern unseres Gegenübers finden und feiern.
Viel Freude beim Aufbrechen!