Geistliches Wort für den Buß- und Bettag, 21.11.2018

Offene Arme         
Man kann Menschen ganz unterschiedlich begegnen: Offen und herzlich, neutral und neugierig oder auch zugeknöpft und distan-ziert. Letzteres drückt sich oft mit der Körper-haltung aus.
Da steht ein Mensch mit verschränkten Armen vor dem Körper und sagt damit: „Ich habe zu-gemacht. Komm mir nicht zu nahe“.  Und wer gar die Hände zu Fäusten ballt kann nicht gleichzeitig jemand mit offenen Armen emp-fangen.
Ganz anders offene Arme, die zeigen: „Bei mir bist du willkommen, wertgeschätzt und sicher. Ich freue mich, dass du in meine Nähe kommst.“ Offene Hände haben nichts zu ver-bergen, sondern wirken einladend.
In der Bibel wird Gott mit einem Vater vergli-chen, der seinen Sohn, nach manchen Irrwe-gen und Verirrungen, mit offenen Armen herz-lich empfängt und neu mit ihm beginnt.
 „Buße tun heißt umkehren in die offenen Arme Gottes“. Diesen Spruch Martin Luthers lernen Konfirmanden, seit Generationen, bis heute auswendig.
Es ist ein schöner Gedanke, der hinter diesem Bild steht: Gott legt uns Menschen nicht auf Fehler oder Versagen fest, er ballt nicht bildlich gesehen die Fäuste oder „macht zu“, sondern steht mit offenen Armen da. Mit allem was ein Leben eng oder schwer macht ist man bei Gott an der richtigen Adresse. Alle Wege, auch die Holzwege des Lebens, können in den offenen Armen Gottes zum Ziel kommen.
Was für eine befreiende Vorstellung: Da lässt uns Gott nicht etwa ins offene Messer laufen, sondern in seine offenen Arme. In Hände, die festhalten und Sicherheit geben, egal woher jemand kommt und egal was auch immer war.
Buße tun heißt den Weg der Freiheit zu be-schreiten, loszulassen, die Fäuste zu öffnen und abzugeben. Dann ist die Freiheit eines Neuan-fanges erlebbar.
Diese Idee fasziniert mich: Nicht Buße tun, weil ich muss, sondern weil sie befreit.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen be-freienden und fröhlichen Buß- und Bettag 2018.

Pfarrer Norbert Graf, Wolfschlugen