Morgen ist Fronleichnam

Nachdem wir am vergangenen Sonntag die Dreifaltigkeit Gottes gefeiert haben, sind wir nun eingeladen, uns auf ein anderes Geheimnis unseres Glaubens einzulassen: die bleibende Gegenwart Jesu Christi in den eucharistischen Gestalten. Dass die Feier dieses Geheimnisses für das Leben der Kirche sowie für den einzelnen Gläubigen unverzichtbar ist, hat das Zweite Vatikanische Konzil eindrücklich mit dem bekannten Satz unterstrichen: „Die Eucharistie ist die Basis und der Höhepunkt christlichen Lebens“.

In der Tat werden zu jeder Stunde des Tages und der Nacht irgendwo auf unserem Planeten die Worte Jesu wiederholt: Das ist mein Leib; das ist mein Blut; Tut dies zu meinem Gedächtnis. Damit werden die Teilnehmer an der Eucharistiefeier zu Zeit- und Tischgenossen Jesu. Wie die beiden Jünger von Emmaus erkennen sie ihn am Brotbrechen.

Zu Fronleichnam gehört nicht nur die Feier der heiligen Messe, sondern auch die Anbetung der Eucharistie. Als die Jünger Jesus sahen, der ihnen den Ort genannt hatte, wo sie ihm nochmals begegnen würden, warfen sie sich vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Die Bibel ist voller solcher Beispiele von Menschen, die aus Ehrfurcht vor dem großen Geheimnis Gottes eine ähnliche Gebetshaltung einnehmen.

Es stimmt, dass Gott allein unsere Anbetung gebührt. Es stimmt, dass Jesus die Gegenwart Gottes in der Welt ist. Es stimmt aber auch, dass Jesus derselbe ist, heute wie gestern, morgen und in alle Ewigkeit. Die Schwierigkeit, sich in der Anbetung niederzuwerfen, verrät somit nichts anderes als den Zweifel an der bleibenden Gegenwart Christi in der Eucharistie. Wer sich weigert niederzuknien, kann nicht im Glauben aufrecht gehen.

Bei der Anbetung geht es nicht darum, etwas zu machen oder zu demonstrieren. Vielmehr geht es darum, beim Herrn zu verweilen und von ihm zu lernen. Wie der junge Samuel halten wir Stille: Rede, Herr, dein Diener hört. Und nicht etwa: Hör nun, Herr, dein Diener redet! Wie im Garten Getsemani bleiben wir in der Nähe des Herrn, um zu wachen und zu beten. „Keiner ist dein Freund, der nicht in deinem Beisein und mit dir schweigen kann“ (Maeterlinck).

Der Auftrag Jesu ist unmissverständlich: Geht in die ganze Welt. Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Zeit. Bei der Prozession gehen die Gläubigen nicht allein, sondern mit Christus auf die Straßen. Sie machen dadurch deutlich, dass die Botschaft, deren Träger sie sind, alle Bereiche menschlichen Lebens betrifft. Der Segen, den sie in der Kirche empfangen haben, wird in die Welt hinausgetragen. Sie erinnern sich an ihre gemeinsame Berufung, die darin besteht, der Welt das Gesicht Jesu zu zeigen. Auf diese Gegenwart Jesu können die Menschen heute wie damals mit Ablehnung, Gleichgültigkeit, Verspottung, Missverständnis, Unverständnis oder Zuneigung reagieren. Der Sohn Gottes aber bleibt derselbe heute wie gestern, morgen und in alle Ewigkeit. Amen.

Pfarrer Achille Mutombo-Mwana