Geistliches Wort - Woche der Diakonie

„Ich habe kein Helfersyndrom. Ich fühle mich nicht als Gutmensch. Ich will mich einfach für Menschen engagieren, die es nötig haben. Haben Sie eine Idee?“  Da schlucke ich schon dreimal, wenn mir solch eine Anfrage vorgetragen wird. Ist denn „helfen wollen“ gesellschaftlich geächtet? Das geht gar nicht! Und so frage ich einfach: „Was würden Sie denn gerne tun?“ Und dann beginnt es in der Regel zu sprudeln.
Sie kochen gerne? Wie wäre es mit Ihrem Engagement in der Vesperkirche im Winter? Oder laden Sie doch einfach einmal die ältere Nachbarin zum Essen ein. Oft werden auch bei Kaffeenachmittagen in Seniorenzentren Kuchen benötigt.
Sie sind kontaktfreudig? Dann gibt es Besuchsdienste in den Gemeinden, „Grüne Damen und Herren“ in der Klinik, und jedes Seniorenzentrum ist froh, wenn ehrenamtliche Helferinnen und Helfer auftauchen.
Da meldet sich gleich der nächste Vorbehalt: Die Betreuung in Heimen und Kliniken ist Sache des Staates! Der lacht sich ins Fäustchen, wenn er so bezahlte Arbeitskräfte sparen kann! Aber warum nicht beides? Sich politisch für die Verbesserung der Pflege einsetzen. Und gleichzeitig menschliche Wärme weitergeben!
„Platz da- Raum für Gutes“ heißt ja ganz frech das Motto der „Woche der Diakonie“ vom 17.-24. Juni. Die Kirchen waren ja immer schon von der Not vieler Menschen am Rande unserer Gesellschaft so betroffen, dass sich die Diakonie immer stärker zu deren Anwalt gemacht hat. Jedenfalls so lange, bis der Staat nachgezogen hat. Aber das dauerte und dauert eben oft empörend lange. Die Notsituationen dagegen sind aktuell drängend.
„Platz da- Raum für Gutes“. Und so setzt sich die Diakonie für Wohnraum für Familien, für ältere Menschen und für Menschen mit Behinderung ein. Sie unterstützt die Menschen, die wir gerne links liegen lassen: Obdachlose und Alkoholkranke und Flüchtlinge und Kinder in Armut. Die es doch in unserer reichen Gesellschaft gar nicht geben dürfte. Dass sie oft nicht sichtbar sind, ist ein großer Verdienst der diakonischen Einrichtungen.
Und doch braucht es unsere persönliche Hilfe. Zu unserem Wertesystem gehört schließlich auch Jesu Wort: „Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder- und Schwestern-, das habt ihr mir getan.“.
„Was würden Sie denn gerne tun?“ Kochen, Besuche machen, Deutsch unterrichten, Kindern vorlesen? Keine Angst! Sie haben kein Helfersyndrom! Sie sind ganz normal mitfühlend!
Wolf Peter Bonnet, Krankenhauspfarrer