Zeit der Schöpfung

Wissen Sie, dass wir uns gerade in der „Zeit der Schöpfung“ befinden? Diese Zeit -  der Ökumenische Rat der Kirchen hat dazu erstmals 2007 aufgerufen - beginnt am 1. September. Sie endet am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, dem Heiligen für Umweltschutz schlechthin.
Da passt es gut, dass in Nürtingen in genau dieser Zeit zum jährlichen MoA-Sonntag ins Tiefenbachtal eingeladen wird. So auch morgen. MoA, das steht für „Mobil ohne Auto“ und ist die größte bundesweite verkehrspolitische Aktion. Ziel dieser Veranstaltung ist es, bei möglichst vielen Menschen das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie und in welchem Maße wir unterwegs sind; dass es viele attraktive Möglichkeiten einer umwelt- und sozialverträglichen Mobilität gibt. Der Tag stellt die enge und existentielle Verbindung zwischen Mensch und Natur ins Zentrum. Ihre Wurzeln hat die Aktion in der ehemaligen DDR, wo 1981 christliche Initiatoren erstmals zu „Mobil ohne Auto“ aufgerufen hatten. Mitte der 80er verband sich die Idee mit der westdeutschen Tradition des Autofreien Sonntags und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Hier in Nürtingen gibt es dieses Jahr sogar etwas zu feiern: Seit 20 Jahren wird zum MoA-Sonntag eingeladen.
Mir gefällt besonders gut, dass die Nürtinger diesen autofreien Sonntag im September begehen und nicht, wie viele andere Orte, im Juni. Damit fällt er in die „Zeit der Schöpfung“. Geht es doch genau darum: Unsere Dankbarkeit dafür zum Ausdruck zu bringen, was uns alles in der Schöpfung geschenkt ist: die Luft zum Atmen, Essen und Trinken, Erholung und Stärkung, das Leben schlechthin. Und gleichzeitig aber auch uns unseres Auftrags bewusst zu werden, den wir als Ebenbild Gottes haben: diese Schöpfung zu schützen anstatt sie auszubeuten. Papst Franziskus spricht in seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von einer „Beziehung verantwortlicher Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur“ (67).
In diesem Sinne lädt die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nürtingen im Rahmen von MoA auch dieses Jahr zu einem ökumenischen Gottesdienst auf der Wiese von Gartenbau Hiller ein. Dieser beginnt um 10:30 Uhr und wird sich unter der Überschrift „Von meinen Früchten könnt ihr leben“ unter anderem mit Äpfeln beschäftigen.
Äpfel sowie viel anderes Obst und Gemüse gibt es in diesem Jahr reichlich. Diese Fülle lässt uns dankbar werden. Und gleichzeitig führt der trockene Sommer mit den großen Ernteausfällen in der Landwirtschaft auch vor Augen, dass unsere Lebensweise nicht ohne Folgen bleibt. Wie wir uns ernähren, wie wir uns fortbewegen, wie wir konsumieren – all das hat Folgen für die Natur. Morgen wäre eine gute Gelegenheit, sich mit dem Thema Mobilität auseinanderzusetzen: bei „Mobil ohne Auto“ in Gottes wunderbarer Schöpfung!

Alexandra Holzbauer
Katholische Hochschulseelsorgerin, Nürtingen