Um was geht es?

Um das bloße Für-Wahr-Halten zeitloser Lehren oder die Befolgung moralischer Vorschriften geht es nicht.
Es geht um Zutrauen und darum, sensibel zu bleiben für das Unverfügbare.
Es braucht eine Kraft, die uns befreit, uns unseren Ängsten zu stellen. Opposition gegen die Dummheit und den Missbrauch jeder Art von Ideologie, die Menschen in falsche Abhängigkeiten führt, ist angesagt.
Es geht darum, Lügen zu entlarven und um den Mut zur Aufrichtigkeit. Es braucht das Vertrauen in die versöhnende Kraft der Liebe, der Annahme und Hingabe. Unbezahlbar sind geschützte Räume und bergende Worte, die Herzen öffnen für Schuld und Scham. Es tut gut, die Selbstverständlichkeiten durchkreuzen zu lassen. Es geht um Humor, auch sich selbst gegenüber. Er macht es leichter, aufrecht, selbstbewusst und doch berührbar durchs Leben gehen. Wo kämen wir hin ohne innere Weite und praktische Großzügigkeit, ohne die Fähigkeit zu Mitgefühl und Rücksicht?
Das Leben braucht die Freude an allem Schönen, an Musik, Literatur, eine Hand, die tröstet und manchmal eine Katze, die schnurrt, wenn sie gestreichelt wird. Es geht um Halt und Haltung, um ein gesundes Selbstbewusstsein und ehrliche Demut. Wer Stille aushalten kann und aus den tiefen Quellen bewährter Traditionen schöpft, wird beschenkt. Ohne verbindlich gelebte Beziehungen und ohne die Kunst, Frustrationen konstruktiv zu bearbeiten, wird es nicht gehen. Und ohne Motivation zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben auch nicht. Verteidigen wir das Gewissen und die Würde jedes einzelnen? Feiern wir das Grundgesetz nach 70 Jahren nur noch? Oder leben wir auch seinen wachsamen Protest gegen jede Form von Rassismus und Fundamentalismus? Es braucht eine Bildung des Herzens, die immer mehr ist als Mittel irgendeines Zwecks. Genauso wie Einfühlungsvermögen für fremde Lebenshaltungen und um Mitgefühl überall dort, wo gelitten wird.
Und Vorsicht: In alledem kann es nicht um Selbstausbeutung und Selbstüberforderung gehen oder den falschen Zwang zur perfekten Fassade. Die Einsicht, dass letztlich nichts allein vom eigenen Tun und Lassen abhängt, könnte uns entlasten. Wie wunderbar ist eine Lebenshaltung, die geprägt ist von Gelassenheit und Dankbarkeit, die feiern und genießen kann.
Es geht um eine Heimat für die Seele. Es geht um Reformation und Gottvertrauen. Am 31.10.18 zum 501. mal und alle Jahre wieder bis zum Ende der Welt und zum Anfang des Himmels.