Geheimnisvolle Dreieinigkeit

Geheimnisvolle Dreieinigkeit

Der Sonntag Trinitatis eine Woche nach Pfingsten ist nicht gerade ein Popstar unter den kirchlichen Feiertagen. Er erzählt keine spannenden Geschichten wie Weihnachten, Karfreitag und Ostern und legt keine rotbäckigen Äpfel auf den Altar wie das Erntedankfest.

Gott ist unser Schöpfer, unser Erlöser und unser Tröster – in der vertrauten Formel „Vater, Sohn und Heiliger Geist“. Und doch ist er ein und derselbe Gott. Der Sohn ist „eines Wesens mit dem Vater“, der Heilige Geist geht „aus dem Vater (und dem Sohn) hervor“. So hat es das Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 formuliert. Aber schon über die Worte in der Klammer waren sich die westliche und die östliche Kirche nicht einig. Später gab es viele, teilweise hässliche Streitigkeiten um diese Details. Es ist makaber, dass sich die Christen am Thema der Einheit Gottes entzweit haben. Die Kirche braucht eine begrifflich genaue Theologie. Aber sie muss auch die Grenzen ihrer Formulierungskunst kennen und annehmen.

Ein Rätsel kann man knacken. Wenn die Zahlen im Sudoku-Quadrat stimmen, dann legen wir es weg oder beginnen das nächste. Beim Rätseln um die Dreieinigkeit stoßen wir an Grenzen. Wenn wir die Trinität aber als Geheimnis verstehen, dann schickt sie uns auf einen Weg. Wenn wir Gott loben, so wie er uns entgegenkommt, dann begegnen wir ihm. Seine schöpferische Kraft pulsiert in meinem Herzschlag, und in jeder meiner Billionen Zellen. Seine Liebe hat ihn dazu bewegt, einer von uns zu werden, das Böse und den Tod zu überwinden. Mit jedem Atemzug und mit den Worten der Bibel will er mich inspirieren zu einem Leben in Verbindung mit ihm, mit meinen Mitmenschen und mit allen Geschöpfen.

Das Mysterium der Dreieinigkeit kann uns zu Gott hinziehen und uns verwandeln.

Wenn wir uns wie viele katholische Mitchristen – und wie auch noch Martin Luther – am Beginn des Tages mit dem Zeichen des Kreuzes segnen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ – dann berührt uns dieses Geheimnis körperlich, seelisch und gedanklich. Ich spüre, dass ich nicht aus Gottes Hand fallen kann. Es begleitet mich in die Aufgaben des Tages, vielleicht beruhigt es sogar unseren Atem in Stress-Situationen. Es kann uns für die Begegnungen öffnen, auf die wir nicht gefasst und vorbereitet sind. Es kann unseren engen Tunnelblick weiten. Es verkürzt den Weg zu einem Gebet mitten im Alltag. Im Lauf der Zeit und der Jahre wird uns diese Tuchfühlung mit dem Geheimnis Gottes prägen und verändern.

Ich wünsche Ihnen allen einen inspirierenden Sonntag Trinitatis.

Pfarrer Konrad Maier-Mohns