Bereitet dem Herrn den Weg

© Zeljko

Das Thema dieses 2. Adventssonntags in der katholischen Liturgie ist klar: „Bereitet dem Herrn den Weg.“ Dazu fordern uns sowohl Jesaja, als auch Paulus und Johannes der Täufer auf. Und Johannes verkündete überall: „Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“ (Mt 3,3). So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg!... Und alle Welt wird das Heil Gottes schauen“ (vgl. Jes 40,3). Wir sollen „all seine Straßen gerade machen“, damit seine Ankunft, sein Weg nachher „mühelos“ wird.

Träumen wir nicht von einer Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen?! Jesus hat sie nicht so vorgefunden. Aber der Tag wurde uns verheißen, an dem die Gerechtigkeit und der Friede siegen werden. In den finsteren und trübsten Stunden unseres Lebens flüstert unsere Zuversicht uns zu, dass es einen Weg zu Gott gibt, und dass Jesus diesen Weg vor uns gegangen ist. Johannes der Täufer kehrt uns auf den Herrn zu. Die Bekehrung, zu der er ermahnt, hat eine sehr menschliche, sehr soziale Dimension. Der Weg zu Gott führt unverzüglich über die Beziehung zum Mitmenschen.

Wir bereiten den Weg des Herrn, indem wir uns zunächst täglich fragen, wo unsere persönlichen Fehler und Schwächen liegen. Der Mensch ist ein Kunstwerk, mit Liebe von Gott geformt. Ich bin ein Geschenk Gottes, ein Original aus der Hand des Schöpfers. Sehe ich meine Mitmenschen als Geschenke Gottes an?

Gott verlangt von uns, dass wir andere Menschen lieben wie uns selbst. Und noch mehr: Jesus sagte sogar, dass wir einander lieben sollen, so wie er uns liebt. Er verlangt von uns, einander zu lieben, sogar unsere Feinde. Das kommt uns unglaublich und geradezu unmöglich vor. Dieses Gebot können wir durchführen, indem wir zunächst einmal daran denken, dass jeder von uns ein Kind Gottes und sehr kostbar ist. Gott sagt durch den Propheten Jesaja: „Du bist kostbar in meinen Augen und ich liebe dich“. An einer anderen Stelle sagt er: „Ich habe dich in meine Hand geschrieben“ (vgl. Jes 49,16). Jeder von uns ist in seinem Inneren kostbar, heilig, erlöst, gerettet. Wenn wir so an jeden herantreten, dann wird es uns leichtfallen, ihn liebzugewinnen, und dann wird auch in uns Freude aufkommen. Wo wir nämlich lieben, dort ist für uns die Quelle der Freude.

Wer Gottesliebe und Nächstenliebe als Christ lebt, kann dabei keine Pause machen. In jedem Menschen begegnet uns Gottes Antlitz. Christus wurde von Gott der ganzen Welt geschenkt. Der frühere Bischof des Bistums Limburg, Franz Kamphaus, hat den Sinn von Advent und Weihnachten einmal so zusammengefasst: „Mach’s wie Gott, werde Mensch“. Diese Botschaft können wir als Christen jedem Menschen weiterreichen, egal welchem anderen Glauben oder Zweifel dieser anhängt. Vor allem mir selbst.

Željko Galić, Pastoralreferent
Kroatische Katholische Gemeinde
Blaženi Ivan Merz Nürtingen